Kooperation
Russen interessiert an Ausbildung im Fliegerhorst in Kaufbeuren

Die Luftverkehrssicherheit in Russland soll verbessert werden. Die landeseigene Akademie der Wissenschaften sucht deshalb nach geeigneten Partnern, welche die entsprechende Technologie bieten können, und nach Ausbildungsmöglichkeiten für die künftigen Anwender. Bei seiner Russlandreise im Juli mit dem bayerischen Wirtschaftsminister Martin Zeil knüpfte der Kaufbeurer Landtagsabgeordnete Bernhard Pohl (Freie Wähler) Kontakte, mit dem Ziel, dass seine Heimatstadt von dem Vorhaben Russlands profitieren könnte.

Pohl könnte es sich gut vorstellen, dass künftig russisches Flugsicherheitspersonal am Kaufbeurer Fliegerhorst ausgebildet wird, und startete eine entsprechende politische Offensive. Am vergangenen Freitag besuchte eine russische Delegation Kaufbeuren und zeigte sich beeindruckt. Mit dabei waren Vertreter der Firma e.sigma aus Dornach bei München, die Simulations- und Trainingssysteme entwickelt. Sie lieferte auch den Tower-Simulator der Technischen Schule der Luftwaffe in Kaufbeuren.

Noch am Nachmittag unterzeichneten e.sigma-Geschäftsführer Joseph Müllner und die Vertreter der Russischen Akademie der Wissenschaften (RAdW) ein Kooperationsabkommen in Kaufbeuren. Anschließend besuchten sie zusammen mit Pohl die AZ-Redaktion und informierten über ihr Vorhaben.

Müllner erläuterte, dass sein Unternehmen Ausbildungssysteme im Bereich der Flugsicherung an Russland verkaufen möchte. Bei der Russlandreise im Juli sei die Idee geboren worden, den Fliegerhorst Kaufbeuren als Dienstleistungszentrum für die Ausbildung zu nutzen.

Seit Freitag sind auch die Vertreter der RAdW von dieser Idee begeistert. Sie freuten sich, in Kaufbeuren sehr herzlich aufgenommen worden zu sein. Am Vormittag hatte sie Oberbürgermeister Stefan Bosse empfangen. Danach besichtigten die Gäste den Fliegerhorst. Oberst Richard Drexl zeigte ihnen das Ausbildungszentrum für die Fluglotsen.

Doch ob es tatsächlich zu einer Kooperation mit Kaufbeuren kommen kann, muss zunächst auf der politischen Ebene geklärt werden. Pohl und die Bundestagsabgeordneten Stephan Stracke (CSU) sowie Stephan Thomae (FDP) unterrichteten bereits Anfang Oktober in einem gemeinsamen Schreiben Verteidigungsminister Dr. Thomas de Maiziere über die Möglichkeit einer zivilen Nutzung der Ausbildungseinrichtungen auf dem Kaufbeurer Fliegerhorst durch die Russische Akademie der Wissenschaften.

Sie sehen darin die Chance, die Auslastung des Fliegerhorstes und somit seine Zukunftsfähigkeit zu erhöhen. Eine Antwort blieb de Maiziere freilich bis heute schuldig. Denn bekanntlich arbeitet der Minister derzeit mit Hochdruck an der Bundeswehrreform. Am 25. oder 26. Oktober will er bekannt geben, wie es mit den Standorten in Deutschland und damit der hiesigen Technischen Schule der Luftwaffe 1 weitergeht.

Eine Möglichkeit ist, dass sie mit der zweiten noch existierenden Technischen Schule der Luftwaffe in Faßberg (Niedersachsen) zusammengelegt wird. Das heißt aber nicht zwangsweise, dass der Kaufbeurer Fliegerhorst deshalb aufgelöst wird. Allerdings scheint eine Verkleinerung unausweichlich, da die Truppe insgesamt schrumpfen soll. Deshalb gibt es bereits mehrere Überlegungen für eine zivil-militärische Zusammenarbeit.

Neben der Kooperation mit der Russischen Akademie der Wissenschaften käme beispielsweise auch ein Ausbildungszentrum für aus der Truppe ausscheidende Zeitsoldaten in Zusammenarbeit mit der heimischen Wirtschaft in Frage. Doch bis zur Entscheidung de Maizieres bleibt alles Spekulation.

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