Verkehr
Runde Lösung für Ruderatshofen deutet sich an

Ruderatshofen/Marktoberdorf Umgehung ja, Umgehung nein? Umgehung hier, Umgehung da? Die erste Frage haben die Ruderatshofener für sich schon vor langer Zeit beantwortet. Sie wollen eine Umgehung, um den Ort vom Verkehr zu entlasten. In der zweiten Frage hat sich bei der Flurwerkstatt - einer Ortsbegehung angeregt von Gemeinde, Landratsamt und Amt für Ländliche Entwicklung - nun ein eindeutiger Trend ergeben: Die Umgehung um Ruderatshofen wird wohl nicht auf der vom Landratsamt geplanten Trasse verlaufen.

Im Gespräch ist nun ein Kreisverkehr südlich von Ruderatshofen (siehe Grafik). Vom Kreisverkehr aus soll dann in die Umgehung und in eine Anbindungsstraße nach Ruderatshofen geleitet werden. Bei der Flurwerkstatt diskutierten und stritten die Ruderatshofener anfangs teils emotional, im Verlaufe der Begehung zeichnete sich aber ab, dass dieser Ortstermin zielführend war.

Am östlichen Ortseingang soll wie geplant ein weiterer Kreisverkehr die Autos Richtung Aitrang (rund 40 Prozent des Ruderatshofener Durchgangsverkehrs) und um Apfeltrang leiten. «Die große Lösung ist das einzig Richtige», meinte Ferdinand Bisle, Baudirektor vom Amt für Ländliche Entwicklung. Die Apfeltranger hatten sich jüngst ebenfalls für eine Ortsumgehung stark gemacht. Außerdem würde die große Lösung laut Bisle nicht wesentlich mehr kosten, da dafür höhere Zuschüsse flössen.

Bürger wollen keine Rennstrecke um das Dorf

Grund für die Änderung der Trasse ist zum einen die Geschwindigkeitsbegrenzung - der Kreisverkehr bremse Raser ganz natürlich aus, hieß es. Man wolle keine Rennstrecke um das Dorf, betonten viele der 40 Grundstücksbesitzer und Bürger, die an der Flurwerkstatt teilgenommen hatten. Zum anderen erleichtere die neue Streckenführung die Grundstücksverhandlungen. Die waren vor Kurzem im Sande verlaufen und abgebrochen worden. «Wir sind nicht weitergekommen, weil für die Amtstrasse bei vielen Besitzern wenig Bereitschaft zum Verkauf der Grundstücke besteht», sagte stellvertretender Landrat Alexander Müller bei der Begehung. Außerdem habe man Probleme, die geeigneten Tauschgrundstücke zu bekommen.

Ruderatshofens Bürgermeister Johann Stich, der selbst eine «grundsätzliche Bereitschaft bei den Grundstücksbesitzern» beobachtet hat, erklärt dies mit dem gesunkenen Vertrauen in den Euro: «Viele haben eben lieber Land als Geld.» Müller hatte noch weitere interessante Neuigkeiten im Gepäck: Eine aktuelle Verkehrszählung habe ergeben, dass deutlich weniger Verkehr als ursprünglich gedacht durch den Ort verlaufe. Stich äußerte wie viele Bürger Zweifel an der Zählung. Der Verkehr sei eher mehr geworden, so der Tenor unter den Bürgern.

In den kommenden Tagen und Wochen werden Bisle und Müller nun im Landratsamt - das laut Bisles und Stichs Einschätzung eher nicht von der geplanten Trasse abweichen will - die neuen Empfehlungen und das Fazit der Flurbegehung vorstellen. Danach entscheidet der Kreistag über das Vorhaben. Ob er allerdings die Empfehlungen übernimmt und neue Planungen in Auftrag gibt, ist offen.

Ursprüngliches Ultimatum wohl hinfällig

Das ursprünglich gesetze Ultimatum mit dem Termin im Oktober dürfte damit hinfällig sein. Stich bestätigt das: «Das wird sich nun alles verzögern.» Grundsätzlich müsse sich der Landkreis aber bewegen und Alternativen entwickeln, wolle man bei der Umgehung wirklich weiterkommen, so Bisle.

Wie die Deutsche Bahn - die die Strecke nach Kempten 2012 auf Neigetechnik umstellen will - auf den vermutlichen Aufschub reagiert, ist noch nicht klar. Klar ist aber, dass die Gemeinde nun versuchen muss, die maroden Brücken über die Kirnach für jene Zeit sicher zu machen, die es bis zur Verwirklichung der Umgehung dauert. Stich und Bisle zogen ein durchaus positives Fazit der Flurbegehung: Man nehme dadurch die Bürger mit ins Boot, bevormunde sie nicht und komme so zu einer für (fast) alle akzeptablen Lösung.

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