Geschichte
Rund um das «Siebenergeheimnis»

Der Titel Feldgeschworener klingt nicht nur wie ein Relikt aus dem Mittelalter, die Fragmente seiner Arbeit stammen auch aus dieser Zeit. So grenzte der sogenannte Dreiländerstein in der Gemeinde Eggenthal die Herrschaftsgebiete der Reichsherrschaft Mindelheim, des Fürststiftes Kempten und des Reichsstiftes Irsee ab. Inzwischen sind die Grenzpunkte wesentlich unauffälliger. Doch die Feldgeschworenen gibt es noch immer - jüngst wurde Erwin Dopfer aus Irsee vereidigt, zudem wurden Flurgrenzen bei Pforzen festgelegt.

Dopfer ist damit Nummer 88 im Ostallgäu. Doch das sei zu wenig, im Schnitt habe jede der 45 Ostallgäuer Kommunen nur zwei Geschworene - vier bis sieben sind aber möglich. «Die Nachwuchsgewinnung gestaltet sich oft sehr schwierig, da dieses Ehrenamt ein hohes Maß an zeitlicher Flexibilität voraussetzt», erklärt Jürgen Königsberger, Leiter des Vermessungsamtes Marktoberdorf, dem die Feldgeschworenen fachlich angehören.

Dabei waren die Feldgeschworene einst äußerst wichtig. Etwa, weil im späten Mittelalter immer weniger Land gemeinsam bewirtschaftet wurde und es stattdessen Territorialherrschaften gab. «Seine Wurzeln hat das Institut in den Freigerichten des Mittelalters. Grenzstreitigkeiten zu schlichten war dessen Hauptaufgabe», berichtet Königsberger. Diese Aufgabe wandelte sich erst, als im 19.

Jahrhundert die Idee der Grundsteuer geboren wurde. Fortan sorgten in Bayern auch Katasterämter für deren Eintreibung, der Feldgeschworene wurde zum ortskundigen Assistenten der Behörden.

Die 88 Feldgeschworenen im Ostallgäu sind meist Landwirte oder Rentner bis zu einem Alter von 81 Jahren, die eine gute körperliche Konstitution haben. «Gearbeitet wird immer in der freien Natur», erklärt Königsberger. Tätig werden sie zumeist auf Anweisung des Vermessungsamtes. Die Behörde baut dabei auf die Orts- und Menschenkenntnis der Feldgeschworenen: «Sie sind die Mittler zwischen Behörde und Bürger», so Königsberger. Denn Grenzstreitigkeiten würden mit großem emotionalen Aufwand ausgetragen. Da schlichtet der Feldgeschworene.

«Das ist der Vorgang des Setzens eines Grenzzeichens, das der Feldgeschworene mit dem Vorschlaghammer in den Boden schlägt», erläutert Gerhard Trautwein, stellvertretender Leiter des Vermessungsamtes. In Pforzen tat dies jüngst Hermann Pienle. Der 45-Jährige ist seit zehn Jahren Feldgeschworener und setzte zusammen mit Geometer Martin Sepp Grenzsteine am Neubaugebiet an der Pechtrogstraße.

Früher war das Abmarken feierlicher und geheimnisumwitterter: Da waren sieben Feldgeschworene in jeder Gemeinde nötig. Setzten sie einen Grenzstein, so legten sie darunter Zeichen - jeder Feldgeschworene sein individuelles.

Heute spielen die Zeichen zwar keine Rolle mehr, da jeder Standort per Satellitenortung zu markieren ist, aber das «Siebenergeheimnis» musste Dopfer dennoch auswendig lernen.

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