Marktoberdorf
Ruhe vor dem Rasenmäher

«Eigentlich haben wir uns das Haus mit Garten angeschafft, um unsere Ruhe zu haben», erzählt eine AZ-Leserin. Mit der Ruhe ist es für sie aber oftmals nicht weit her. Des Öfteren werde in der Nachbarschaft gemäht, gehämmert, gewaschen, geschliffen und gesägt, was das Zeug hält. «Sogar an Feiertagen. Das stößt mir besonders sauer auf», klagt sie.

«Die Einhaltung der Ruhezeiten interessiert niemanden mehr», meint sie und appelliert an ihre Mitbürger, mehr Rücksicht zu nehmen. Sie verweist auch auf die bundeseinheitlichen Zeiten, in denen Ruhe vorherrschen sollte. Diese Zeiten würden schließlich auch in Marktoberdorf gelten.

Handwerker dürfen durcharbeiten

Tun sie auch, erklärt Wilhelm Preißler von der Immissionsschutzbehörde am Landratsamt Ostallgäu. Allerdings müsse man immer differenzieren, wie und wo der Lärm entstehe. Im Falle der AZ-Leserin handelt es sich um Lärm im privaten Bereich, nicht im gewerblichen, weiß Preißler. Grundsätzlich gelten Ruhezeiten in Wohngebieten werktags von 20 bis 7 Uhr und sonn- und feiertags ganztägig. Eine Verordnung, die eine «allgemeine Mittagsruhe» regelt, gibt es laut Landratsamt allerdings nicht.

Für bestimmte Geräte wie Laub-sauger und -bläser sowie Baustellenkreissägen gibt es dafür das 32. Bundesimmissionsschutzgesetz. Es besagt, dass jene Geräte in Wohngebieten nur werktags zwischen 9 und 13 Uhr sowie 15 und 17 Uhr betrieben werden dürfen. Und Handwerker dürfen - sofern sie keines der oben genannten Geräte verwenden - auch über Mittag arbeiten, erklärt Preißler. Über die im Bundesimmissionsschutzgesetz geregelten Vorgaben hinaus können Städte und Gemeinden noch eigene Lärmschutzverordnungen erlassen. «Kurgebiete machen dies beispielsweise», sagt Preißler. Diese Regelungen seien dann meist auch wesentlich strenger. Marktoberdorf hat eine solche Verordnung jedoch nicht.

Wenn eine bestimmte Ruhestörung nicht im Bundesimmissionsschutzgesetz geregelt ist, bleibt nur noch der Gang vor Gericht: «Das muss dann über das Bürgerliche Gesetzbuch BGB abgehandelt werden, da es nicht in den öffentlichen Bereich fällt», sagt Preißler.

Solange die AZ-Leserin nicht auf die Rücksicht ihrer Mitmenschen bauen kann, wird sie die Flucht vorziehen: «Wenn wir Ruhe brauchen und Lebensqualität wollen, fahren wir raus aus der Stadt», erzählt sie. «Das machen wir schon seit Jahren so.» Vor Gericht klagen will sie dagegen nicht.

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