Kaufbeuren
Ruf nach mehr Gemeinsamkeit der Kirchen

iele Gläubige feierten am gestrigen Sonntag in der Dreifaltigkeitskirche die 25-jährige Abendmahlsgemeinschaft von alt-katholischer und evangelischer Kirche. Den Festgottesdienst zelebrierten der evangelische Landesbischof Dr. Johannes Friedrich, der alt-katholische Bischof Joachim Vobbe sowie die Pfarrer Thomas Kretschmar und Armin Strenzel.

Bischof Vobbe sagte in seiner Predigt, dass dem Christentum eine gewisse Leibfeindlichkeit vorgeworfen werde, die in der Gesellschaft mit der Vertuschung des leiblichen Verfalls einhergehe. Dabei sagte doch der Apostel Paulus «Ihr seid Christi Leib» und wollte damit erklären, dass Christen zu einem unverbrüchlichen Organismus zusammengefügt seien.

Obwohl es keine andere Organisation bisher geschafft habe, seit so langer Zeit von der Wurzel her eins zu sein, sei es ein Skandal, dass die Eucharistie an verschiedenen Altären gefeiert werde und Mitchristen davon ausgeschlossen blieben. Streng genommen gebe es keine katholische, evangelische, orthodoxe oder andere christliche Taufe. «Sie ist ein Quell, aus dem die Kirchengemeinschaft seit je her besteht.

» Doch seine Befürchtung sei, dass es wirkliche Kirchengemeinschaft erst 15 Tage nach dem Jüngsten Tag geben werde. Deshalb müssten sich in der Kirche alle Kräfte sammeln und von ihr selbst alle Kraft ausgehen.

Nach dem gemeinsamen Gottesdienst mit Abendmahl in der Dreifaltigkeitskirche, der musikalisch von der Kantorei unter Leitung von Kirchenmusikdirektor Traugott Mayr und dem Posaunenchor (Leitung Joachim Butz) gestaltet wurde, lud die Dreifaltigkeitsgemeinde zu einem Empfang im Matthias-Lauber-Haus. Landesbischof Dr. Friedrich verwies dort in seinem Grußwort auf das Gebot Jesu Christi, dass seine Kirche einig und eine sei.

Somit gehöre zur Identität beider, der evangelischen wie auch der alt-katholischen Kirche, das Anliegen der Einheit und nicht die Bewahrung des eigenen Kirchentums. So sei die seit 25 Jahren bestehende eucharistische Gastbereitschaft nicht Resultat totaler Lehrübereinstimmung, sondern Zeichen des Gehorsams gegenüber dem Gebot Christi. Dies sei das Besondere dieser Vereinbarung.

Oberbürgermeister Stefan Bosse verglich in seinem Grußwort die Ökumene mit der Kommunalpolitik. Beide seien der Sache verpflichtet, «Eiferer können wir hier nicht gebrauchen, sie sind in der Landes- und Bundespolitik besser aufgehoben!» Bosse zeigte sich überzeugt davon, dass es zu einem Miteinander in Zukunft keine Alternative gibt.

Mit einem Lächeln gestand danach der katholische Stadtpfarrer von St. Martin, Adolf Niessner: «Ich spüre eine gewisse Erwartung». Das gemeinsame Osterfeuer sei ein Zeichen, dass diese Tradition weitergeführt werden müsse. Er bedauere, dass noch kein weiterer gemeinsamer Weg gefunden wurde. Er hoffe jedoch, dass es nicht bis 15 Tage nach dem Jüngsten Gericht dauern werde, bis sich die Möglichkeit größerer Gemeinschaft finde. «Vielleicht lacht Gott beim Jüngsten Gericht über all das, worüber wir einst gestritten haben», bemerkte Niessner. Er zeigte sich dankbar für die gemeinsame Achtung und dafür, dass viele Christen die eucharistische Gastfreundschaft ganz einfach in Anspruch nähmen.

Die musikalische Gestaltung des Empfangs übernahmen Traugott Mayr am Klavier und die Bundespreisträgerin von «Jugend musiziert», Larissa Schnellhammer (Klarinette).

Autor:

Allgäuer Zeitung aus Kempten

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