Marktoberdorf / Ostallgäu
«Rücktritt ist befreiend»

Bischof Walter Mixa tritt zurück. Dieser Schritt wird von den von uns befragten Priestern und gläubigen Katholiken angesichts der Vorwürfe, die gegen ihn erhoben werden, zumeist als befreiend empfunden. «Weil viele darunter gelitten haben», sagt Wilhelm Müller von der Bewegung «Wir sind Kirche».

Er habe auf Mixas Rücktritt gewartet, erklärt der Marktoberdorfer Dekan, Pfarrer Erwin Ruchte aus Görisried: «Ich bin froh, dass endlich diese Entscheidung gefallen ist. Seine Berater hätten ihm das eher sagen müssen.» Ruchte zufolge hätte Mixa sofort die Wahrheit sagen müssen - «nicht scheibchenweise und unter Druck»: «So wie Georg Ratzinger gleich gesagt hat, er habe freche Buben auch geohrfeigt.»

«Es ist höchste Zeit gewesen», meint auch der Vorsitzende des Pfarrgemeinderats St. Martin/St. Magnus, Jürgen Hafner. Was sich zuletzt ereignet hat, sei nicht tragbar gewesen, meint Hafner, der bekennt, dass er nie ein Anhänger Mixas gewesen sei. Von einem Nachfolger wünscht er sich, «dass er es versteht, Menschen abzuholen, wo sie stehen.»

«Ein bisschen Verständnis hatte ich für Mixa schon», meint die Vorsitzende der Kolpingsfamilie Marktoberdorf, Brigitte Knestele. Dass er jetzt zurücktritt, sei aber «nicht ganz schlecht». Es gehe darum, Schaden von der Kirche abzuwenden. Nicht gefallen hat auch ihr, dass Mixa zunächst alles bestritten hat.

Der gleichen Ansicht ist Günther Weber. Auch der Ruhestandspfarrer, der Kraftisried seelsorgerisch betreut, meint: «Wenn er gleich erklärt hätte, dass er Watschen verteilt hat, wäre es nicht so weit gekommen.» So sei der Schritt wahrscheinlich nötig gewesen: «Wenn ein Bischof dazu auffordert, nach christlichen Grundsätzen zu leben, muss er selbst Vorbild sein.»

«Als Dorfpfarrer geht er ein»

Zugleich äußert Pfarrer Weber Verständnis für den früheren Chef. Von einem Bischof zu erwarten, über 50 oder mehr Jahre das Leben eines Heiligen geführt zu haben «oder als solcher auf die Welt gekommen zu sein», sei schwierig. Ihm zufolge ist Mixa «der geborene Bischof». Deshalb brauche dieser weiter auch eine Tätigkeit, bei der er seine Fähigkeiten als Doktor der Theologie einbringen könne. «Als Dorfpfarrer geht Mixa ein.»

Obergünzburgs Pfarrer Walter Böhmer hat, wie er sagt, hingegen nicht mit Mixas Rücktritt gerechnet, «so lange die Vorwürfe gegen ihn nicht lückenlos aufgeklärt sind». Er äußert auch Verständnis für Mixas «typisch menschliches» Krisenmanagement.

«Auch wenn man ein anderes Auto anfährt, überlegt man zuerst: Wie kann ich mich aus der Schlinge ziehen?», so Böhmer: «Typisch christlich wäre es wiederum, wenn man Fehler einsehen, bereuen und daraus lernen dürfte.» Das müsste auch für Bischof Mixa gelten. Anders läge die Sache, wenn dieser tatsächlich Kinder misshandelt habe: «Wenn das herauskommt, ist der Ofen bei mir aus», so Böhmer.

Vertrauen wiedergewinnen

Persönlich tut Mixa, den er als Mensch schätze, auch Dekan Ruchte leid. Wichtig sei nun, dass sich die Wogen rasch glätten: «Wir müssen das Vertrauen der uns anvertrauten Menschen wiedergewinnen. Auf einen Neuanfang hofft auch Wilhelm Müller: Die Kirche solle nun auf die Laien zugehen und deren Probleme nicht wegschieben.

Der Ortspfarrer von Unterthingau, Pater Jakob Mukalel, wollte sich in der AZ nicht äußern. Auch Pater Polycarp aus Biessenhofen gab keinen Kommentar ab. Pfarrer Emanuel Olschar aus Stötten, Pfarrer Alois Linder aus Lengenwang und Marktoberdorfs Stadtpfarrer Wolfgang Schilling waren telefonisch nicht zu erreichen. (hkw/sg)

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