Füssen / Ostallgäu
Rubbellos statt Geldsegen: Für Anwalt klare «Abzocke»

Über Nacht um 10000 Euro reicher: Rainer Alletsee staunt nicht schlecht, als er jüngst dieses verlockende Gewinnversprechen aus dem Briefkasten holt. Schon am 14. Juli soll er den Preis ausgehändigt bekommen. Doch der 66-jährige Füssener traut der Sache nicht und bittet Anwalt Ulrich Schwerdtfeger um Rat. Der schlägt die Hände über dem Kopf zusammen und rät: «Ab in den Müll mit dem Schreiben - das ist reine Abzocke.» Der Jurist geht davon aus, dass noch viele weitere Bürger im südlichen Ostallgäu den Brief erhalten haben.

Was die Verantwortlichen tatsächlich im Schilde führten - Menschen zu einer Kaffeefahrt inklusive Verkaufsveranstaltung animieren - wird laut Schwerdtfeger im Kleingedruckten deutlich: «Zur Aushändigung des Gewinns haben wir für Sie und ihre Gäste einen Ausflug zum Ammersee organisiert», heißt es dort. Der Absender, eine Firma aus Niedersachsen, macht im Schreiben richtig Druck: «Sollten wir von Ihnen keine Reaktion erhalten, wird Ihr Gewinn gespendet.»

Für Anwalt Schwerdtfeger ist die Sache eindeutig: «Hier werden bewusst falsche Erwartungen geweckt», ärgert sich der Jurist über das geschickte Vorgehen der Firma. «Denn juristisch betrachtet steht in dem Schreiben nur, dass der Verbraucher für einen Gewinn nominiert ist, aber noch nichts gewonnen hat.»

Anspruch auf ein Rubbellos

Allenfalls habe sein Mandant einen Rechtsanspruch auf ein Rubbellos, erklärt er ihm. Eine Nachfrage bei der Firma ist nicht möglich: «Auf dem Brief war nicht einmal eine Telefonnummer angegeben», ärgert sich Alletsee. Und auch welche Köpfe hinter dem Unternehmen stecken, sei unklar.

Laut Anwalt Schwerdtfeger handelt es sich um eine «haftungsbeschränkte Unternehmensgesellschaft» (UG), die nur eine Einlage von einem Euro erfordere. Es sei nicht einmal sicher, ob die Firma tatsächlich existiert: «Beim zuständigen Handelsregister ist sie jedenfalls nicht eingetragen», so Schwerdtfeger zu seiner Recherche.

Doch nicht nur Alletsee ist verärgert darüber, dass er offensichtlich über den Tisch gezogen werden soll. Auch Peter Ziegler aus Füssen hat die Gewinnnachricht aus Niedersachsen erhalten und fühlt sich getäuscht. «Ich konnte mich nicht entsinnen, irgendwo mitgemacht zu haben», berichtet er. Der 50-Jährige begann daraufhin, im Internet zu recherchieren - und wurde fündig. «Auf einer Seite wird gewarnt, dass es sich hier nur um eine Kaffeefahrt handelt», erläutert er. Doch gerade ältere Menschen hätten nicht die Möglichkeit, sich im Internet schlauzumachen.

Weitere Schreiben

Anwalt Schwerdtfeger geht davon aus, dass noch zahlreiche weitere Haushalte im südlichen Landkreis angeschrieben wurden: «In der Gewinnbenachrichtigung sind vier Haltepunkte aufgeführt, an denen die Gewinner am 14. Juli mit dem Bus abgeholt werden sollen: Roßhaupten, Rieden, Füssen und Schwangau.» Er rät allen, nicht auf die «Abzocke» hereinzufallen.

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