Westallgäu
Rote Fichten sind bereits tot

Er liebt trockenes, heißes Wetter so wie das der vergangenen Tage. Die 3000 Waldbesitzer im Westallgäu sind froh, wenn ihr Gehölz von ihm verschont bleibt. Die Rede ist vom Borkenkäfer. Förster Roland Tröster ist Forstrevierleiter des oberen Landkreises, den er seit 22 Jahren betreut. Im Interview spricht der 54-jährige Lindenberger über betroffene Gebiete, Wetter und natürliche Feinde des Insekts.

Ist der Borkenkäfer aktuell ein Problem in Westallgäuer Wäldern?

Roland Tröster: Bis jetzt noch nicht. Bisher war das Wetter einfach zu unbeständig - Gewitter, Regenschauer und relativ kühl. Die Bäume konnten sich schon im Frühjahr gut mit Wasser versorgen. Aber wenn es so bleibt wie die vergangenen Tage, kommt da sicher noch was.

Der Borkenkäfer mag es also gern trocken und warm?

Tröster: Richtig. Das nass-kühle Wetter hat ihn in seiner Entwicklung behindert. Außerdem kann er sich nicht so gut in die Rinde einbohren, wenn der Baum gut mit Wasser versorgt ist.

Wie war die Situation im Vorfahr?

Tröster: Auch nicht tragisch, weil es wie in diesem Jahr nicht so heiß war.

Welche Gebiete sind besonders betroffen?

Tröster: Gefährdet sind beispielsweise Fichtenbestände in sumpfigem und moorigem Gelände, trockene Kuppen und Hügel und alle Orte, wo der Wasserspiegel schnell wechselt, wie zum Beispiel die Drumlinhügel im Lindauer Raum oder die Bereiche Schorach und Hammermoos in Heimenkirch, im Waldseegebiet, aber auch die Waldflächen rund um das Trogener Moos in Weiler.

Wie zeigt sich ein Befall?

Tröster: Von Weitem kann man eine Verfärbung des Kronenbereichs erkennen, die Fichte wird blassgrün und schütter. Bei weiterem Befallsfortschritt wird sie rot, aber dann ist sie bereits tot. Direkt unter der befallenen Fichte findet das geübte Auge braunes, Schnupftabak ähnliches Bohrmehl an der Rinde oder auf grünen Blättern oder Spinnweben um den Stammfuß herum. Meist liegen auch schon auffallend viele grüne Nadeln um den Baum herum.

Kann man vorbeugen?

Tröster: Nein, das geht leider nicht kurzfristig. Größere Schäden lassen sich verhindern, wenn man sofort eingreift. Das Problem dabei ist allerdings - sowohl für uns Förster als auch für die Waldbesitzer -, dass man den Käfer erst sieht, wenn der Baum schon befallen ist.

Langfristig müssen wir versuchen, von den reinen Fichtenwäldern weg und hin zu gemischten Standort angepassten Mischwäldern zu kommen, in denen die Fichte durchaus beteiligt sein kann - aber alles in Maßen. Dies ist umso dringender mit Blick auf den schleichenden Klimawandel, dessen Wetterextreme unserer flachwurzelnden Fichte noch mehr zu schaffen machen werden.

Gibt es denn keine natürlichen Feinde, die den Borkenkäfer aufhalten?

Tröster: Die gibt es schon. Schlupfwespenarten oder verschiedene Vögel wie Spechte, Meisen, Baumläufer und Kleiber zum Beispiel. Allerdings kommen die meist zu spät. Nämlich dann, wenn der Käfer schon in den Bäumen ist.

Es gibt den Kupferstecher und den Buchdrucker. Was ist der Unterschied?

Tröster: Das Größenverhältnis ist 1:5. Der Buchdrucker braucht große Bäume. Er braucht auch wesentlich mehr Platz unter der Rinde als der Kupferstecher. Er ist kleiner als ein Stecknadelkopf und befällt gern auch jüngeres Geäst, während der Buchdrucker eher in alten Bäumen zu finden ist.

Sind neben der Fichte weitere Baumarten gefährdet?

Tröster: Nein, da sowohl der Buchdrucker als auch der Kupferstecher ausschließlich auf die Fichte fixiert sind.

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