Internationales Treffen
Rotarier wollen ihre Arbeit bekannter machen

Rotary ist englisch für rotierend, drehend. Zugleich steht der Begriff für eine Vereinigung von Personen, die sich für Frieden, Völkerverständigung und Menschen an sich einsetzt – die Rotary Clubs. Sie tragen diesen Namen unter anderem, weil sich ihre Mitglieder früher an wöchentlich wechselnden Orten trafen.

Auch der Deutsche Governorrat von Rotary International tagt jedes Mal woanders. Ende dieser Woche (28. und 29. September) trifft er sich in Lochau (Vorarlberg) zu seiner Herbstkonferenz. Über diese sprachen wir mit Dr. Elmar Marent, Gastgeber und Governor des Distrikts 1920 Westösterreich.

Herr Marent, wer gehört dem Deutschen Governorrat an?

Marent: Die führenden Rotarier aus Deutschland, Österreich, der Schweiz, Liechtenstein und Ungarn. Wir erwarten etwa 100 Teilnehmer zu unserer Herbstkonferenz.

In den ersten vier Ländern wird Deutsch gesprochen. Es macht Sinn, dass sie dem Deutschen Governorrat angehören. Aber warum Ungarn?

Marent: Ungarn gehörte früher mit zu den österreichischen Distrikten. Das ist seit einigen Jahren zwar nicht mehr so, aber die Ungarn werden immer noch eingeladen.

Warum zu Österreich? Hängt das etwa noch mit der österreichisch-ungarischen Monarchie zusammen?

Marent: (lacht) Nein, nein. Das liegt daran, dass die österreichischen Rotary-Distrikte nach der Wende den Aufbau der Rotary Clubs in Ungarn unterstützt haben.

Auf der Einladung zur Herbsttagung steht, dass sich die Konferenzteilnehmer mit der Aufgabe beschäftigen sollen, die öffentliche Wahrnehmung von Rotary zu verbessern. Warum ist das nötig?

Marent: Nehmen wir Polio (Anm. d. Red. Kinderlähmung). Wenn man die Bürger fragt, wer maßgeblich an der Poliobekämpfung weltweit beteiligt war, hört man selten: die Rotarier. Aber wir waren es. Und deshalb müssen wir unsere Philosophie besser rüberbringen. Wir müssen transparenter werden. Auf deutsch gesagt: Wir müssen mehr PR machen. Öffentlichkeitsarbeit ist ein wichtiger Faktor – nach innen und nach außen –, um zum Beispiel Spenden zu gewinnen.

Was hat Rotary genau mit dem Kampf gegen Kinderlähmung zu tun?

Marent: Wir widmen uns seit 25 Jahren federführend der Poliobekämpfung. Uns ist es gelungen, die Ausbreitung der Krankheit auf drei Länder zu reduzieren. Afghanistan, Pakistan und Nigeria sind die letzten drei Staaten, in denen es noch Neuinfektionen gibt.

Das Thema Polio steht auch auf der Tagesordnung der Herbstkonferenz.

Marent: Ja. Wir sind da seit 25 Jahren dran und Sie können sich sicher vorstellen, dass man nach so langer Zeit auch die eigenen Leute immer mal wieder motivieren muss. Deshalb greifen wir das Thema auf.

Außerdem wollen wir darauf hinweisen, dass auch alle geimpften Menschen nicht vergessen dürfen, dass die Immunisierung nur zehn Jahre anhält und dann wieder aufgefrischt werden muss.

Welche Themen stehen noch auf der Tagesordnung?

Marent: Die Berichte der Fachbereiche über die Arbeit des vergangenen Halbjahrs. Dazu gehören der Jugenddienst – Rotary organisiert mit jährlich etwa 60 000 Teilnehmern weltweit den größten Jugendaustausch – und der Berufsdienst, der Schulabgänger bei der Berufsorientierung hilft. Außerdem sprechen wir über die Vorbereitung der großen internationalen Rotary-Friedenskonferenz in Berlin. Rotary will sich künftig noch mehr der weltweiten Friedensförderung widmen.

Sie sind Gastgeber der Tagung?

Marent: Ja, es ist das erste Mal, dass sie bei uns stattfindet. Wir haben in Österreich nur zwei Rotary-Distrikte. In der Schweiz sind es drei. In Deutschland dagegen 14. Die nächste Konferenz wird also wohl wieder in Deutschland stattfinden.

Rotary International

- Die humanitare Organisation Rotary wurde 1905 in Chicago gegrundet.

- Heute zahlt sie als eine der weltweit großten Nichtregierungsorganisationen mehr als 1,2 Millionen Mitglieder.

- In Deutschland gliedert sich Rotary in 14 regionale Distrikte – darunter Distrikt 1840, der das Allgau bein- haltet. Es gibt insgesamt 1010 Clubs im Bundesgebiet, mit uber 50 000 Mitgliedern.

- Geleitet werden die Distrikte von den sogenannten Governor.

- Der Deutsche Governorrat wurde im Jahr 1955 gegrundet. Er ist das oberste Fuhrungs- und Beschlussgremium.

- In den Rotary-Clubs schließen sich Angehorige verschiedener Beruf unabhangig ihrer politischen oder reli- giosen Einstellung zusammen.

- Jeder Rotarier soll sein Leben nach vier Fragen ausrichten: Ist es wahr? Ist es fair fur alle Beteiligten? Wird es Freundschaft und guten Willen fordern? Und: Wird es dem Wohl aller Beteiligten dienen?

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

© Allgäuer Zeitungsverlag GmbH / rta.design GmbH

Powered by PEIQ

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen