Lindenberg
Romy Schneider - «eine menschliche Tragödie»

So richtig viel wusste der Kameramann Holly Fink bisher nicht über Romy Schneider. Dass sie als «Sissy» berühmt geworden ist und mit Alain Delon gearbeitet und gelebt hat, zum Beispiel. Inzwischen musste sich der in Lindenberg wohnende Kameramann jedoch intensiv mit der Frau auseinandersetzen, die als einer der wenigen deutschen Kino-Weltstars gilt. Holly Fink ist an der ersten Verfilmung von Romy Schneiders Leben beteiligt. Er führte die Kamera bei der Fernsehproduktion «Romy», die am 11. November um 20.15 im Ersten ausgestrahlt wird.

Fink bezeichnet die Biografie von Romy Schneider als «menschliche Tragödie». Es sei keine leichte Aufgabe gewesen, filmisch eine Frau zu fassen, deren Glück und Fluch die Kamera war, sagt er und spricht von einem Konflikt: «Wir porträtieren in gewisser Weise das, was wir kritisieren», erläutert er und meint den Medienrummel, das neugierige Interesse an berühmten Menschen, das ihnen alles Private und damit oft jede Lebensqualität raubt.

Auch für das Kino war heuer eine Verfilmung geplant unter dem Titel «Eine Frau wie Romy» mit der deutschen Sängerin und Schauspielerin Yvonne Catterfield in der Hauptrolle. Wegen Vertrags- und Budgetschwierigkeiten wurde das Projekt jedoch im Juli abgesagt.

Für das Fernsehen stand die ausdrucksstarke junge Schauspielerin Jessica Schwarz als Romy Schneider vor Holly Finks Kamera. Das Team um Regisseur Torsten C. Fischer, das den Film für den Südwestrundfunk (SWR) drehte, verfolgte laut Kameramann Fink das Anliegen, «respektvoll mit dieser Person umzugehen.» Auf keinen Fall sollte eine «Schmonzette» entstehen.

Das Drehbuch von Benedikt Röskau halte sich an die belegten Fakten, sagt Fink. «Wir wollten ein wahrhaftigeres Bild zeichnen, als es in vielen Köpfen aufgrund von Klatschmedien und Vermutungen herumgeistert.» Den Schluss haben die Filmemacher deshalb bewusst offen gelassen. Der Gerüchte und Spekulationen gab es viele nach Romy Schneiders Tod im Jahr 1982. Ihn zu interpretieren - wie auch immer - halten Regisseur Fischer und Kameramann Fink für Anmaßung.

Dreh an Originalschauplätzen

Aufwendig war in dieser Produktion das Klären der Rechte. Zumal Romy Schneiders Geschichte viele noch lebende Personen betrifft. Die 40 Drehtage fanden großteils an Originalschauplätzen statt. Der Stiefvater von Schneiders verunglücktem Sohn David, Daniel Biasini, erlaubte sogar, den Gartenzaun zu filmen, an dem sich der 14-Jährige im Jahr 1981 tödliche Verletzungen zuzog.

Holly Fink hat sich die Filme mit Romy Schneider genau angeschaut, die in der Fernsehproduktion zitiert werden. «Ich wollte die Filmsprache verstehen, um sie nachempfinden zu können.» Berühmte Szenen, etwa aus dem Streifen «Swimmingpool» mit Alain Delon (1968), sind jetzt also mit Jessica Schwarz und Guillome Delorme in einer neuen Fassung zu sehen.

Um den verschiedenen Sequenzen eine größtmögliche Authentizität zu geben, hat Holly Fink in die «Trickkiste» der Filmerei gegriffen, wie er es nennt. So verwendete er teilweise Schwarz-Weiß-Material und nahm über 100 Rollen mit der Super-8-Kamera auf. Diese Bilder sind kontrastreicher, körniger in der Auflösung und unruhiger als gängiges Filmmaterial. «Das ergibt den Eindruck von Beobachtungen, die normalen Zuschauern eigentlich verborgen bleiben müssten», erklärt Fink.

Entstanden ist so ein Spielfilm, der über Strecken fast dokumentarisch wirkt, und der die glanzvollen wie die dunklen Seiten von Romy Schneiders Leben anreißt: Schönheit und Glamour, Einsamkeit und Gejagtsein.

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