Oberstdorf / Oberallgäu
Rollstuhlfahrer bilden eine interessante Zielgruppe

Oft ist es nur die Kiesbeschaffenheit auf einem kleinen Stück, die einen kompletten Wanderweg für Rollstuhlfahrer untauglich macht. Das war für die Unternehmerin Julia Eß-Meier Anlass, eine «Rolli-Karte» mit 14 Wanderwegen für Oberstdorf und Umgebung zu erarbeiten. Die Erfahrung hat sie als Chefin des «Hotel Viktoria» in Rubi: Das Vier-Sterne-Haus ist spezialisiert auf Urlauber mit Handicap. Sie arbeitet zudem mit Michael Prestel zusammen - Tourismusberater für barrierefreies Reisen und Vorsitzender vom Bundesverein barrierefreier Tourismus. Gemeinsam beurteilen die beiden, was das Oberallgäu für Urlauber im Rollstuhl zu bieten hat - und wo von Barrierefreiheit keine Rede ist.

Nicht ganz so einfach gestaltet sich die Anreise mit der Bahn, denn aussteigen können Rollstuhlfahrer - nach Anruf in deren Mobilitätszentrale - nur in Kempten und Oberstdorf mittels Rampe. Die übrigen Bahnhöfe im Oberallgäu sind für Rollstuhlfahrer nicht nutzbar.

Und auch wenn es um Ausflüge in die größeren Oberallgäuer Gemeinden geht, stehen Urlauber mit Behinderung vor Problemen: Vor allem in Immenstadt und Sonthofen ist laut Eß-Meier das Kopfsteinpflaster kaum geeignet für Rollstühle. In Oberstdorf gebe es dieses zwar auch - es sei aber wesentlich flacher.

Massive Kritik übt die Oberstdorferin an der Businfrastruktur: Zwar gebe es im Oberallgäu rollstuhlgerechte Niederflurbusse - diese fahren aber nicht zu festen Zeiten. Die Hotelchefin ruft nun jeden Morgen beim Busunternehmen an, und fragt nach, welche der Busse ihre Gäste nutzen können. Eß-Meiers Wunsch: ein rollstuhlgerechter Bus am Vormittag und einer am Nachmittag zu fester Zeit, sodass Urlauber mit Handicap entsprechend planen können. Im Kleinwalsertal sieht es da anders aus: Hier verkehren nur Niederflurbusse.

«Die Gesamtinfrastruktur muss stimmen», sagt Michael Prestel, selbst Rollstuhlfahrer - von der Unterkunft, über Gaststätten mit behindertengerechten Toiletten bis zu den Tourismusattraktionen. «Ich will wie ein ganz normaler Gast behandelt werden», betont Prestel. Als solcher wolle er selbst entscheiden, ob er Urlaub auf dem Campingplatz oder im Vier-Sterne-Hotel macht.

Doch ist der Gästeberater guter Dinge. Inzwischen habe ein Umdenken eingesetzt: Unternehmen hätten erkannt, dass es bei einer behindertengerechten Ausstattung nicht ums rein soziale Denken gehe, sondern dass Urlauber mit Handicap schlichtweg wirtschaftlich eine interessante Klientel seien.

In Oberstdorf sieht Prestel das Gesamtpaket am umfassendsten umgesetzt. Bergbahnen transportieren Rollstuhlfahrer, die Fahrt auf den Glasturm in der Erdinger Arena ist mit Rollstuhl möglich und Kino, Eisstadion sowie Oberstdorf-Haus sind behindertengerecht. Ein besonderes Erlebnis, so Eß-Meiers Erfahrung, ist für Rollstuhlfahrer der Besuch der rustikalen Aibele-Alp in Rohrmoos. Derzeit steht zudem ein behindertengerecht umgebautes Trike-Taxi beim Hotel Viktoria.

Autor:

Allgäuer Zeitung aus Kempten

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