Kaufbeuren
Rolling Stones im Allgäu

«Flusskiesel sind Zeugnisse, die einen tiefen Einblick in die Zeitgeschichte gestatten», doziert Dr. Christoph Greifenhagen über das Geröll aus den Alpen und deren Vorberge. Der Kaufbeurer Arzt im Ruhestand sammelt unter anderem seit vielen Jahren Steine. Nun hat er seine private Lithotek (Gesteinsvergleichssammlung) um eine Stein- und Mineralien-Sammlung aus dem Nachlass eines Hobby-Geologen erweitert.

Flusskiesel sind gleichsam «Rolling Stones»: In unserer Region wurden die Steine von den Gletschern der Eiszeiten wie auf einem Förderband aus den Alpen in die Niederungen transportiert. Dies geschah seit etwa 2,4 Millionen Jahren. Aus den Ablagerungen im Allgäu entwickelte der Eiszeitforscher Albrecht Penck sein System der glazialen Serie und konstatierte vier Eiszeiten mit dazwischenliegenden Warmzeiten: Günz-, Mindel-, Riß- und Würmeiszeit - nach neueren Erkenntnissen soll es sogar neun Eiszeiten geben. Schmelzwasser transportierte den Kies in Bäche und Flüsse, wo er gerollt und gerundet wird - daher auch der Name Geröll, so Greifenhagen.

Farbe und Glanz, Gefüge (Struktur und Textur), Mineralbestand, und schließlich Technische Eigenschaften (Dichte und Härte) geben Rückschlüsse auf die Herkunft der Steine und ihren Transportweg, der mehr als 50 Kilometer betragen kann. In Wertach, Günz oder Mindel schillert das Gestein kräftig in Blau, Gelb, Grün, Schwarz oder Weiß.

Die Oberfläche kann rundgeschliffen vom Fluss sein oder noch die Kratzer vom Gletschergeschiebe haben. Die Formen können bizarr oder geometrisch sein. «Alle Informationen über die Kieselsteine einer ganzen Region zusammengenommen, erlauben sogar die Rekonstruktion bestimmter Abschnitte der komplexen Gebirgsbildung mit der Freilegung und Abtragung der Alpen», resümieren Geologen der Technischen Universität München.

Angeregt von einer Wanderausstellung über die «Rolling Stones» im Voralpenland macht Greifenhagen inzwischen Flusswanderungen für die Volkshochschule und «Bayern-Tour-Natur». Dabei helfen einfache Mittel wie Taschenmesser zur groben Härtebestimmung, ein Tropfen aus einem Salzsäurefläschchen und eine Lupe zur Bestimmung. Zudem können gefundene Kiesel mit Steinen aus einem Sortiment mit einer Härteskala von 1 (Talk) bis 10 (Diamant) geritzt werden, um sie näher zu definieren.

Für Interessierte werden die Flusskiesel bei den Wanderungen zu einem Tor zur Geschichte der Region. Greifenhagen: «So komplex unsere Natur auch ist, macht es Spaß, mit einfachen Mitteln ungeahnte Einblicke zu gewinnen.»

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