Rohstoffboom: wie ist davon zu profitieren?

Nachgefragt bei Sandra Ebner von der Deka Bank Frankfurt Kempten (bb). Kupfer und Kaffee, Zink und Zinn, Rohöl und Ölsaaten: Der Markt für Rohstoffe ist bunt und vielschichtig. Die Preise für die Schätze der Erde schossen in den vergangenen fünf Jahren in die Höhe. Im Moment ist eine gewisse Beruhigung eingetreten. Lohnt es sich dennoch auch für 'kleine Anleger' in Rohstoffe zu investieren? Darüber sprachen wir mit Sandra Ebner von der Deka Bank Frankfurt. Die 29-Jährige hielt diese Woche in Kempten auf Einladung der Sparkasse Allgäu den Vortrag 'Rohstoffe - von Chinas Wachstumsboom profitieren':

Seit etwa einem Jahr hat die Rohstoff-Rallye scheinbar an Tempo verloren. Ist die Investition in diese Güter also letztlich wieder nur ein großes Missverständnis, wie der Glaube an die New Economy in den 90er Jahren?

Ebner: Nein, von einer Spekulationsblase wie bei den Technologieunternehmen kann im Rohstoffsektor keine Rede sein. Damals wurden Unternehmen mit dürftigen Geschäftsmodellen zu völlig überzogenen Preisen gehandelt, in der Erwartung, dass die Nachfrage nach deren Produkten und Dienstleistungen in Zukunft explodieren würde. Tatsächlich haben sich die Erwartungen nie erfüllt. Die Folge waren massive Überkapazitäten und die Blase ist geplatzt.

Und bei den Rohstoffen ist die Situation eine andere?

Ebner: Im Gegensatz zur Technologie sind die Rohstoffpreise in den vergangenen Jahren gestiegen, weil die Nachfrage tatsächlich gestiegen ist, und sich das Angebot in vielen Bereichen deutlich verknappt hat. Überkapazitäten sind im Rohstoffsektor weit und breit nicht zu sehen. Im Gegenteil, die Unternehmen investieren weiterhin zu wenig in die Angebotsausweitung.

Also sollten Anleger weiter in Rohstoffe investieren?

Ebner: Sicherlich wird die Rohstoffhausse nicht die nächsten 30 Jahre linear weitergehen. Aber in den kommenden Jahren bleibt diese Anlageklasse sehr interessant, denn die Preise für Rohstoffe ergeben sich nun mal aus Angebot und Nachfrage, das heißt wenn die Nachfrage steigt oder wenn sich das Angebot verknappt, dann steigt der Preis.

Und diese Kombination aus starker Nachfrage und knappem Angebot beherrscht derzeit die Rohstoffmärkte?

Ebner: Genau so ist es. Die Nachfrage nach Rohstoffen wird vor allem durch strukturelle Veränderungen in Ländern wie China und Indien angefacht. Diese Nachfrage nach Rohstoffen ist real und nicht spekulativ.

Stichwort China: Dieser Industriestandort wächst im Turbotempo und mit ihm der Energiehunger. Wie werden die Rohstoffmärkte reagieren?

Ebner: Was in China derzeit im Gange ist, kann ohne Übertreibung als die dritte große Globalisierungswelle bezeichnet werden. In China geschieht derzeit das, was vor mehr als hundert Jahren in den westlichen Ländern vor sich ging - Industrialisierung, Verstädterung, und steigender Wohlstand. Und dieser Prozess steht gerade erst am Anfang.

Industrialisierung bedeutet, dass mehr produziert und exportiert wird...

Ebner: ...und dies treibt die Energienachfrage an. Verstädterung zieht enorme Infrastrukturinvestitionen nach sich, was vor allem für eine steigende Metallnachfrage sorgt. Und zu guter Letzt führt der steigende Wohlstand in diesen Ländern häufig auch zu veränderten Lebensgewohnheiten. So wird beispielsweise die Ernährung deutlich proteinreicher, was bedeutet, dass der Fleischkonsum steigt.

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