Bregenz / Maria-Thann
Rock und Arien für die Jugend

Linda Kränzle steht auf Indie-Rock. Franz Ferdinand hört sie gerne und Mando Diao. Einmal im Jahr darfs auch Oper sein. Und zwar im Juli, wenn die Bregenzer Festspiele zur Crossculture-Night einladen und eine Probe des Spiels auf dem See vor der Jugend halten. 5200 junge Leute, davon mehr als zwei Drittel aus Deutschland, folgten am Samstag der Einladung, darunter Linda Kränzle, 15-jährige Schülerin aus Maria-Thann. Nachts um halb zwölf lautete Lindas Urteil über die Bregenzer Inszenierung der Verdi-Oper Aida: «Es war toll - auf der Seebühne ist alles toll.»

Der Jugend bieten die Festspiele ein bisschen mehr als dem erwachsenen Publikum. Mit Chips und Getränken wird sie empfangen, Workshops, Bühnenführungen, Sound- und Technik-Check eröffnen den ganzen Nachmittag über verschiedene Zugänge zum Genre Oper, das den meisten Jugendlichen nicht besonders vertraut ist.

Sturm aufs Festspielhaus

Für den Einführungsvortrag im großen Saal stürmen sie zu Hunderten das Festspielhaus. Regieassistent Jan Essinger macht eine Show aus seinen Erläuterungen zu Verdis Aida und den Raffinessen der Bregenzer Inszenierung. Seine Zuhörerinnen und Zuhörer zwischen 13 und 26 Jahren lassen sich leicht animieren und folgen klatschend und jubelnd Essingers Aufforderung: «Ladies and gentlemen, please give a warm welcome to Mr Quinn Kelsey!»

Und gleich gehts auf Englisch weiter, denn der Bariton Quinn Kelsey, der bei Aida den äthiopischen König Amonasro singt, stammt aus Hawaii. Linda und ihre Freundinnen verstehen ihn auch ohne Essingers Übersetzungen perfekt - und stellen fest, dass man in der Schule schon auch was Nützliches lernt. Nützlich ist Lindas Meinung nach auf jeden Fall der Vortrag im Festspielhaus - Opernhandlungen erschließen sich nicht so leicht von selbst. «Ich hätte ohne die Erklärungen nicht viel verstanden», gibt die Gymnasiastin freimütig zu.

Linda hat vor zwei Jahren auch Puccinis Oper Tosca bei der Crossculture-Night erlebt, ist also schon fast eine Spezialistin in Sachen italienische Oper. Ihr Vergleich fällt zugunsten Puccinis aus: «Ich finde, Tosca war ein bisschen näher am Leben».

Konkreter erläutert Linda, in der Aida-Inszenierung würden Neuzeit und Altertum miteinander verknüpft. «Dadurch konnte ich die Handlung nicht so gut mit Ägypten verbinden.»

Beeindruckende Effekte

Mit ihrem opulenten Bühnenbild, der ausgefeilten Akustik und den vielen überraschenden Effekten beeindruckt Aida ihr junges Publikum freilich tief. Linda Kränzle schwärmt im Nachhinein von Feuerfontänen, vom Tanz im Wasser, von der riesigen, von Kränen zusammengesetzten Maske und einem Chor von mit Schlagstöcken bewaffneter Polizisten.

Der Schlussapplaus nach der Aufführung ist frenetisch - und mit spontanem Beifall nach besonders gefühlvollen Arien beweisen die jungen Leute, dass sie auch Verdis Musik etwas abgewinnen können - wenn der Rahmen stimmt.

Für Linda ist die Crossculture-Night genau der richtige Opern-Rahmen. Sie beneidet nicht das Premieren-Publikum, das morgen Abend in vornehmer Kleidung und kultivierter Atmosphäre - ein bisschen steif vielleicht - die Seetribüne füllen wird. «Wir habens lieber lockerer», sind sich Linda und ihre zwei Freundinnen Sara und Sabine einig. Auch im nächsten Sommer werden sie sich diesen besonderen Opern-Termin freihalten, der mit Rockmusik vor dem Festspielhaus beginnt und mit Arien auf dem Bodensee endet.

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