Kaufbeuren
Rock n Roll an der Wand

Klettern ist wie ein Tanz in der Vertikalen. An Griffen und Tritten wie an einer Leiter die Wand hochzusteigen, entspräche dem Langsamen Walzer. Schwierige Routen verlangen aber eher Rock n Roll: Ziehen und stemmen, dynamische Bewegungen, Körperschwerpunkt in Sekundenbruchteilen verlagern, einarmige Klimmzüge und einbeinige Kniebeugen. Eben Hochleistungssport. Max Wörner kennt den Rock n Roll, seit er sieben Jahre alt ist. Er ist im 9. und 10. Schwierigkeitsgrad daheim und ein erfahrener Wettkampfkletterer. Der 20-jährige Routensetzer hilft der Alpenvereinssektion Kaufbeuren-Gablonz, einige richtig harte Wege an der neuen Kletteranlage im Wertachpark einzurichten. Sein Angebot: Klettereien, an denen sich die Experten abarbeiten können.

«Abläufe im Kopf»

Neue Tänze in der Vertikalen können nur diejenigen erfinden, denen die Züge in solchen Schwierigkeitsbereichen vertraut sind. «Ich habe die Bewegungsabläufe im Kopf», sagt Wörner, der auch für Wettkämpfe in Kletterhallen Routen schraubt. «Das lässt sich ziemlich klar definieren.» Das geistige Muster überträgt er auf die künstliche Wand. Manchmal steht er dafür auf einer Hebebühne, manchmal hängt er im Seil, greift in Eimer mit roten, gelben und schwarzen Griffen aus Kunstharz und macht damit aus glatten Holzplatten begehbare Wände. Seinen gedanklichen Entwurf verbindet er mit eigenen Kletterfähigkeiten, der Neigung der meist überhängenden Wand und natürlich mit den Griffarten, die zur Verfügung stehen. «Zwei Fingerlöcher und drei Leisten, damit ist es bei einem 9er nicht getan», sagt Wörner. «Ich weiß, was ich dem Kletterer zumuten kann.»

Was dem leichtfüßigen Extremen gefällt, ist noch lange nicht das Richtige für den Wochenendkletterer. Um Spaß, also um Breitensport geht es in erster Linie bei dieser neuen Kletteranlage, erklärt Albert Schuster, der die Schraubarbeiten auf Sektionsseite koordiniert. Für die Wege unterhalb des 9. Grades legen die anderen Mitglieder selbst Hand an. Bergführer Christoph Gotschke etwa, der 30 Routen einrichtet. Regelmäßig werden später zudem die Griffe umgeschraubt, entstehen also neue Wege in der Senkrechten. Die meisten der rund 140 und bis zu 15 Meter langen Klettereien werden den 5., 6. und 7. Schwierigkeitsgrad aufweisen, es wird aber auch 3er und 4er geben. Kinder, Anfänger und Gelegenheitskletterer sollen sich dort ebenso wohlfühlen wie Wettkampfteilnehmer. 6000 Griffe werden verbaut.

Wie viele Klettermeter er an diesem Tag zurücklegt, vermag Max Wörner nicht zu sagen. Dicke Arme sind ihm abends aber gewiss, der Routensetzer soll ja auch noch den Inbusschlüssel führen. Die Strecken müssen ausprobiert werden, immer wieder. Griffe werden ausgewechselt, umgeschraubt, vielleicht ist eine Bewegungskombination zu leicht oder zu schwer. Wie ein Künstler sein Bild malt, wie ein Schriftsteller an seiner Geschichte feilt, so arbeitet Wörner an der idealen Linie. Ein harter Arbeitstag. «Aber Spaß macht es trotzdem immer», sagt er. Andere werden dafür später Eintritt zahlen.

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