Kaufbeuren
Ritterschlag vom Kulturpapst

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Natürlich, davon träumt jeder Musiker, der eine ambitionierte CD aufgenommen hat: dass sie in Fachkreisen Staunen auslöst, dass (hochkarätige) Kritiker in Jubel ausbrechen, dass sie im Radio gespielt wird und dass sie sich gut verkauft. Über alles das kann sich in diesen Wochen der Kaufbeurer Klarinettist Klaus Hampl freuen. Seine Platte mit Klarinettenquintetten von Max Reger und Henri Marteau, die er im Herbst 2008 mit dem «Quartetto die Roma» in einem Studio des Bayerischen Rundfunks in München aufgenommen hat, erntet von allen Seiten Lobeshymnen und findet viele Hörer. «Seine Kunst bereitet zugleich spirituelles und sinnliches Vergnügen», jubelt gar Joachim Kaiser, neben Marcel Reich-Ranicki der Kultur-Journalist in Deutschland schlechthin.

Die CD, die vor einem dreiviertel Jahr auf den Markt kam, bezaubert mit leisen, innigen Klängen, die den Hörer suggestiv ins musikalische Geschehen ziehen. Die Süddeutsche Zeitung spricht von «sanfter Intensität» und «zarter Schönheit», mit welcher der 46-jährige Klarinettist und das Streichquartett aus Rom musizierten. Andere große Zeitungen urteilen ähnlich euphorisch, sprechen unter anderem von einer «lohnenden Entdeckung».

Das läuft einem wie Klaus Hampl, der seit rund zwei Jahrzehnten als freischaffender Musiker arbeitet, runter wie Öl. Zumal er sich mit dem Klarinettenquintett in A-Dur von Max Reger, fertiggestellt in dessen Todesjahr 1916, lange Zeit sehr intensiv auseinandersetzte. «Das ist über die Jahre hinweg gereift», sagt Hampl, der das viersätzige, gut halbstündige Werk in unzähligen Proben und etlichen Aufführungen spielte.

Am meisten freute sich Hampl über die Resonanz von Joachim Kaiser. Er ist einer der führenden Kulturjournalisten Deutschlands und schreibt vor allem für die Süddeutsche Zeitung.

Kaiser habe ihn eines Tages angerufen und zu einem Abendessen nach München eingeladen. «Das ist wie ein Ritterschlag.» Was folgte, war ein «superschöner Abend zusammen mit dem Kulturpapst», der ihm unter anderem erklärte, er habe die Aufnahme des Kaufbeurers am vorangegangenen Nachmittag viermal angehört. «Der Klarinettist Klaus Hampl ist ein Kammermusiker hohen Ranges», urteilt Kaiser und lobt die «dunkle Fülle, bemerkenswerte Farbigkeit und souveräne Artikulation» seines Spiels.

«In mir gärt vieles»

Sehr zufrieden ist man auch bei Naxos, das die CD vertreibt und das den eigenen Angaben zufolge das weltweit größte Klassiklabel ist. Rund 3500 mal ist die Scheibe inzwischen verkauft worden. «Eine recht gute Zahl für eine Kammermusik-Produktion», sagt Ludger Diekamp, der Marketing-Chef von Naxos Deutschland.

Welche Pläne hat Hampl nach diesem Coup? «In mir gärt Vieles» antwortet er. «Ein Prinzip von mir lautet: Entwickle die Dinge langsam.» Die nächste Aufnahme könnte Brahms Klarinettentrio in a-Moll sein, ein Werk, das ganz oben auf seiner Wunschliste stehe.

Ansonsten ist er viel in Italien unterwegs, wo er nicht nur musikalische, sondern auch persönliche Freunde hat. Live können ihn die Klassikfans vielleicht bald im Ottobeurer Kaisersaal erleben. «Das ist im Gespräch, fix ist aber nichts.» Sicher ist, dass Hampl weiter in Kaufbeuren leben wird. Gerade ist er mit seiner Partnerin innerhalb der Stadt umgezogen. Ist die Provinzstadt für ein internationale Musikerleben nicht ein wenig abgelegen? «Nein», sagt Hampl und lacht. «Kein Problem, sofern du viel unterwegs bist.»

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