Ruderatshofen / Ostallgäu
Ritter Kurt und seine Tafelrunde

Das Wort Abschied wurde bei der Adventsfeier des CSU-Kreisvorstandes in den Kirnachstuben in Ruderatshofen vermieden. Denn Kurt Rossmanith ziehe sich nach 29 Jahren und einem Monat als Abgeordneter zwar aus dem Bundestag zurück, er wolle sich aber in Berlin weiter für das Ostallgäu engagieren, betonte die CSU-Kreisvorsitzende Angelika Schorer. Dennoch wolle man Danke sagen für Rossmaniths Einsatz, und den 65. Geburtstag des frischgebackenen Abgeordneten a. D. feiern.

Als Rossmanith 1980 gewählt wurde, bekam Schorer gerade ihr erstes Kind. Für den damals 16-jährigen Stefan Bosse, heute Oberbürgermeister in Kaufbeuren, war Rossmanith «die personifizierte Bundesrepublik». Er heimste sogar den Titel «Mr. Bundestag» in der Schönheitskonkurrenz der MdB ein - ein Ansporn für seinen Nachfolger Stephan Stracke, befand Bosse. Dieser war 1980 gerade mal sechs Jahre alt. Als Stracke dann politisch aktiv wurde, habe Rossmanith seine Laufbahn unterstützt. Nun sehe er, wie schwer es ist, im Bundestag Fuß zu fassen. Er sei daher um den Rat des «Urgesteins» Rossmanith sehr froh. Neidisch schwärmte Stracke von Rossmaniths neuem Büro am Berliner Gendarmenmarkt: «Du weißt, die Zeit danach zu gestalten.»

«Ich habe einen hervorragenden Nachfolger gefunden», lobte Rossmanith: «Er fragt mich sehr unkompliziert und ich bin der Knecht, der etwas dazu hilft.» Rossmanith freute sich, dass er für die Region einiges erreichen konnte. Der Haushaltspolitiker zeigte sich zufrieden, dass mit den beiden Autobahnen zwei wesentliche Verkehrstangenten fertig seien. Der Verteidigungspolitiker erinnerte daran, dass das Kommando der technischen Schule der Luftwaffe in Kaufbeuren blieb. Lobend ergänzte Schorer, dass die Kaserne in Füssen an Bedeutung gewonnen habe. Und der Luft- und Raumfahrtexperte Rossmanith verwies darauf, dass mit der Firma Grob im Unterallgäu ein rein deutscher Flugzeughersteller weiter existiere.

Auf die Bürgerseite gewechselt

Rossmanith suchte den Kontakt zu den Menschen und setzte sich für ihre Belange ein, lobte Schorer. Dass sich der MdB notfalls auch für den Menschen Rossmanith einsetzte, berichtete Bosse schmunzelnd: Er zitierte einen Brief an den Kaufbeurer OB. Es ging um Regenwassernutzung in Rossmaniths Haus. Ein Bescheid der Stadt war falsch, ein neuer ließ auf sich warten. Daher, so Rossmanith, wechselte er kurzzeitig von seinem Abgeordnetenstuhl auf den Bürgerstuhl. Der Bürgervertreter schrieb dann an den OB, um dem Bürger Rossmanith Gehör zu verschaffen - und Bosse befürchtete kurz eine Persönlichkeitsspaltung» des Parteifreundes.

Rossmanith blickte zudem auf die Arbeit in der CSU zurück. In den Gremien sei man zwar nicht immer einer Meinung, aber stets einer Gesinnung gewesen. Er selbst freue sich, nicht mehr 80 Stunden pro Woche arbeiten zu müssen, sondern nur noch 30: «Da bleibt noch Zeit für das Leben nach der Politik.»

Schorer spielte auch auf das «Geplänkel» im Vorfeld wegen Absprachen mit dem Unterallgäuer Teil des Bundeswahlkreises (BWK) an. Bosse als stellvertretender BWK-Vorsitzender überbrachte dennoch Grüße: «Gegen so eine nette Runde kann man nichts haben.»

Ausklingen ließ Schorer die Tafelrunde mit einem Märchen, das die Heimatdichterin und CSU-Kreisrätin Waltraud Mair über den Ritter Kurt verfasst hatte, der stets auf dem neuesten Stand der Kriegstechnik war und vor Wahlen stets gerne in sein Land zurückkehrte.

Autor:

Allgäuer Zeitung aus Kempten

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