Memmingen
Risiko wächst im Alter

Vier Millionen Deutsche leiden an Depressionen. Das sind mehr als doppelt so viele Menschen wie in ganz Schwaben leben. Die Krankheit zieht sich durch alle Altersschichten. Doch betrachtet man die Grafik, die Dr. Andreas Küthmann (Leiter der Psychiatrischen Abteilung am Klinikum Memmingen) in seinem Vortrag bei der Senioren-Union der örtlichen CSU zeigt, sieht man: Die Wahrscheinlichkeit, an Depression zu erkranken, nimmt im Alter zu: «Dort, wo bei vielen das Rentenalter beginnt, schlägt die Kurve, die die Zahl depressiver Menschen angibt, nach oben aus.»

Die Gründe für den Anstieg: «Geht der Mensch in Rente, wird er aus seinem alltäglichen Rhythmus herausgerissen. Er verliert seinen Lebensinhalt, seine Aufgabe und fühlt sich wertlos.» Das könne, so der Chefarzt, Auslöser einer Depression sein.

Körperliche Symptome

Fünf bis zehn Prozent der über 65-Jährigen, die in einem Privathaushalt leben, leiden nach Angaben von Küthmann an einer Depression. «Bei Bewohnern von Alten- oder Pflegeheimen sind es sogar 25 bis 45 Prozent.» Eine Depression ziehe sich über mehrere Wochen, Monate oder gar Jahre hin und gehe mit einer «ganz ausgeprägten Veränderung der Stimmung» einher.

Gerade im Alter kämen zur psychischen Erkrankung oft starke körperliche Symptome hinzu: «Der Mensch hat Schmerzen und hat beispielsweise ein starkes Engegefühl in der Brust», so Küthmann.

Unterscheiden müsse man Demenz und Depression, auch wenn sich beide Krankheiten manchmal ähnelten: «Ein depressiver Mensch klagt darüber, dass er nichts mehr kann und nichts weiß. Ein Dementer dagegen spricht über seinen Zustand nur wenig oder versucht ihn herunterzuspielen.» Andererseits könne aber ein Demenz-Leiden auch zu einer Depression führen: «Wenn ein Dementer merkt, wie seine Leistungsfähigkeit stetig nachlässt, kann auch das Auslöser für eine Depression sein», so der Arzt.

«Nahestehende müssen die Depression als Erkrankung akzeptieren», sagt Küthmann, «und das ist manchmal gar nicht so einfach.» Wichtig sei auch: «Geduld haben, keine gut gemeinten Ratschläge geben und Selbstmordgedanken nicht tabuisieren.» 15 Prozent der Menschen mit schwerer Depression begehen laut dem Psychiatrie-Leiter Selbstmord, in ganz Deutschland seien das rund 10000 im Jahr.

«Nicht abschotten»

«Ältere Menschen dürfen sich nicht abschotten», sagt der Kreisvorsitzende der örtlichen Senioren-Union, Ludwig Haisch. «Ich weiß, wie das ist, wenn man ein Leben lang gearbeitet und plötzlich keinen Auftrag mehr hat. Aber davon darf man sich nicht runterziehen lassen.»

Diskussions-Teilnehmerin Josefine Roiser hat mit dem Rentner-Dasein keine Probleme: «Ich bin seit 19 Jahren in Ruhestand, und mir war noch keinen Tag langweilig.»

Um das ernste Thema etwas aufzulockern, erzählt Rentner Erich Filser nach dem Vortrag eine - angeblich wahre - Geschichte: «Eine Miederhose hat einer älteren Frau, die sich in einem Stausee der Wertach umbringen wollte, das Leben gerettet. Denn die Hose hatte sich mit Luft voll gesaugt. Und so ging die Frau nicht unter, sondern wurde von einem Polizisten gerettet.»

Kontakt Hilfsangebote und -adressen bei Depressions-Erkrankungen findet man im Internet unter der Adresse

buendnis-depression.de/depression/memmingen_unterallgaeu.php

Autor:

Allgäuer Zeitung aus Kempten

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