Ressourcenknappheit und Hass sind ein explosives Gemisch

Marktoberdorf | dec | Die deutsche Wirtschaft wächst. Die Firma Fendt etwa hat 'das beste Jahr ihrer Geschichte hinter sich', sagt Peter-Josef Paffen von der Fendt-Geschäftsführung als Sprecher des Informationskreises der Wirtschaft in Marktoberdorf bei dessen 5. Neujahrsempfang. Auch Landrat Johann Fleschhut und Bürgermeister Werner Himmer sprachen von Wohlstandserhalt und Investitionen dank der Steuern florierender Firmen.

Doch dann schlug jemand andere Töne an und zog rund 200, am Ende begeistert applaudierende Besucher in seinen Bann: 'Wir fahren uns mit dem Wachstum gegen die Wand', prophezeite Prof. Dr. Dr. Franz Josef Radermacher. 'Wir verbrauchen mehr Ressourcen, als der Globus hat.' Der Mathematiker und Wirtschaftswissenschaftler engagiert sich für eine gerechtere Welt, in der auch arme Länder Entwicklungschancen haben. Das jedoch funktioniere nicht ohne vernünftigen, nachhaltigen Umgang mit Ressourcen. Mehr Biomasse im Benzin sei zum Beispiel gut. Aber sollten nicht eher in Dritte-Welt-Nationen Pflanzen angebaut werden, die die Bevölkerung ernähren?

'Nur wenn sie arm sind'

'Vor 40 Jahren lebten rund 3 Milliarden Menschen auf der Welt. Jetzt sind es 6,5 Milliarden', rechnete Radermacher vor. 'Der Globus ist voll und doch wachsen bis 2050 die nächsten drei Milliarden heran. Wir könnten sie ertragen, aber nur wenn sie arm sind', nahm er das Thema eines von mehreren Malen aufs Korn und verdeutlichte damit umso mehr den Ernst der Lage. Die Reichen könnten demnach gar nicht wollen, dass die Armen reich werden. Zum Problem schwindender Ressourcen gesellt sich daher 'eine wachsende Ungleichheit zwischen armen und reichen Ländern.' Wobei die mittellosen Nationen eine extreme Dynamik entwickeln, aufzuholen. Derzeit hat der Globus laut Radermacher noch das 'Glück', dass der größte Teil der Bevölkerung (etwa vier Fünftel) arm ist. Denn bereits die 20 Prozent Reichen verbrauchen 80 Prozent der natürlichen Lebensgrundlagen.

Kultureller Konflikt

Dazu komme der Konflikt Finanzsystem. Er bezeichnete Steuerparadiese als 'Krebsgeschwüre des Globus' , die das weltweite Steuersystem belasten. Auch einen kulturellen Konflikt sieht Radermacher: Dieser liege nicht in den Religionen an sich. Vielmehr sollten reiche, oft christliche Länder die ärmeren, andersgläubigen nicht außen vor lassen. 'Daraus entsteht Hass. Das zusammen mit Ressourcenknappheit ist ein explosives Gemisch.'

Er kämpft deshalb als einer der führenden Köpfe des Global Marschall Planes - ähnlich wie der Marshallplan nach dem Zweiten Weltkrieg für den Wiederaufbau - dafür, die aus den Fugen geratene Balance rund um den Erdball wieder herzustellen. 'Wir brauchen überall Umweltschutz und Bildung und eine global-soziale Marktwirtschaft, zu der alle gehören', forderte er. Dafür jedoch seien weltweite Regeln nötig, zum Beispiel im Bereich Steuern und beim Umgang mit Ressourcen.

Verändern könnten die Lage nur ökonomische Gewinner, denn wer glaube schon einem Formel-1-Piloten, der ständig verliert, dass der Kurs zu schwer ist, verglich Radermacher. Deshalb verteufelte er wirtschaftliches Wachstum nicht grundsätzlich: 'Erfolgreiche Unternehmer sind eine starke Kraft, wenn sie eine Philosophie verfolgen.'

Autor:

Allgäuer Zeitung aus Kempten

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