Kaufbeuren
«Respekt ist das A und O»

Noch ist es ruhig, als Grossi um kurz vor 24 Uhr seinen Dienst antritt. Genug Zeit, sich eine große Flasche Wasser hinter der Bar zu holen und sich dann am Eingang in Position zu bringen. Der 29-Jährige ist Türsteher.

Fast jedes Wochenende entscheidet er, wer im Ringkeller, einer Kaufbeurer Diskothek, feiern darf - und wer nicht. Abgewiesen wird man aber nicht wegen unpassender Kleidung oder einer bestimmten Nationalität. Grossi beurteilt, ob die Besucher «nach Ärger aussehen», oder gar zu betrunken sind, um eingelassen zu werden. Obwohl der Kaufbeurer erst seit sieben Wochen als Türsteher arbeitet, tritt er souverän auf. Das muss er auch, schließlich ist der Respekt, den er bei den Gästen hervorruft, die wichtigste Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Arbeit. Ganz in Schwarz gekleidet, Tattoos auf dem Oberarm und Koteletten bis zum Wangenknochen - so sitzt der 29-Jährige auf dem alten Barhocker neben der Kasse in dem kleinen Eingangsbereich. Langsam strömen immer mehr Gäste die große Treppe zur Eingangstür hinunter, Grossi kassiert, stempelt und kontrolliert Ausweise.

Auch den Blick für die unter 18-Jährigen hat Grossi nach sieben Wochen bereits drauf. «Viele sind aber auch einfach Stammgäste, wenn dann ein neues Gesicht auftaucht, schaut man automatisch genauer hin», erklärt er.

Das Publikum an diesem Abend ist bunt gemischt. Da erscheint der Typ im rosa Hemd mit Goldkette um den Hals, dicht gefolgt von einem Heavy-Metal-Fan mit langen Haaren und Metallica-T-Shirt. Alle, die den Weg in den «Keller» finden, haben vorher schon irgendwie vorgetankt. Somit ist die Stimmung ausgelassen, es werden Scherze gemacht und der eine oder andere feilscht schon mal um den Eintrittspreis von zwei Euro. Grossi begegnet dem Ganzen mit einer stoischen Ruhe, es scheint, als pralle das Alles an ihm ab. «Meine Arbeit setzt nunmal voraus, dass ich mit Trunkenheit umgehen kann», murmelt er und schmunzelt.

Während der 29-Jährige auf die nächsten Gäste wartet, wippt sein Fuß im Takt zur Musik, der Blick ist auf die Tanzfläche gerichtet. «Natürlich muss man sich auch mit dem Laden identifizieren. Für mich ist die Musik der Pulsschlag des Clubs. Manchmal hilft einem das auch durch den Abend.» Bis fünf Uhr früh dauert seine Schicht, allerdings ist Grossi nie allein. Sein Kollege Mambo, selbst schon seit 20 Jahren als Türsteher tätig, kümmert sich um einen reibungslosen Ablauf im Inneren.

Kurz nach halb eins wird es plötzlich hektisch. Mambo schiebt sich mit einem Mann am Arm durch den engen Eingangsbereich nach draußen. Grossi, der lediglich einen kurzen Blick auf die Situation geworfen hat, kassiert erst einmal weiter. «Der Mambo hat das im Griff, wenn es etwas Ernstes wäre, hätte er mir schon Bescheid gegeben.

» Und tatsächlich, nach einem rund zweiminütigen Wortgefecht öffnet sich die Eingangstüre und Mambo und der Gast treten wieder ein. «Das war nur eine Meinungsverschiedenheit, in solchen Fällen schmeißen wir eigentlich niemanden raus. Wir verwarnen nur.»

Gelegenheit auch für Männergespräche

Wenn alles ruhig ist, haben die beiden auch mal die Gelegenheit, Männergespräche zu führen. Ob über den Motorradclub, in dem beide Mitglied sind, oder das Neueste von gemeinsamen Freunden. Zu erzählen gibt es immer etwas und manchmal geht es sogar um Frauen oder gar die Liebe.

«Auch wir Männer sprechen über so etwas, das glaubt nur immer keiner», bestätigt Mambo und lacht. Bis ein Uhr war die große Liebe an diesem Abend zwar noch nicht dabei. Aber die Schicht dauert ja schließlich bis fünf.

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