Totenmesse
Requiem von Gabriel Fauré wird in der St.-Mang-Kirche in Kempten interpretiert

Er sehe den Tod als eine freudvolle Erlösung und nicht als schmerzvolle Erfahrung. Das sagte der französische Komponist Gabriel Fauré (1845 – 1924) in Zusammenhang mit seinem Requiem. In der Tat ist in diesem 35-minütigen Werk kaum etwas Klagendes, Aufbrausendes, Flehendes, Demütiges – wie in so vielen anderen Requien großer Tonsetzer (man denke nur an Verdis Variante). Selbst wenn vom Tag des Zornes ('Dies irae') gesungen wird, fährt Fauré kein Strafgerichts-Gewitter auf. Nein, dieses Requiem, entstanden 1887, strahlt Wärme, Zuversicht und Trost aus. Versöhnliche Musik und tatsächlich ein Wiegenlied des Todes, wie es einmal genannt wurde.

Und genau so interpretierte es Kirchenmusikdirektor Frank Müller mit der Kantorei der St.-Mang-Kirche und dem 'collegium musicum kempten' zum Abschluss der ökumenischen Kirchenmusikwoche. Von den ersten Takten in melancholischem d-Moll bis hin zum hoffnungsfrohen D-Dur von 'In Paradisum' am Ende ließ Müller einen ruhigen, (spät-)romantischen Klangfluss fließen.

Die wegen Krankheit von 80 auf knapp 60 Sängerinnen und Sänger dezimierte Kantorei und das Kammerorchester samt Orgel und Harfe verliehen über weite Strecken hinweg dem Requiem die beabsichtigte meditative Kraft und klangliche Schönheit.

Eine großartige Leistung, weil das Werk keineswegs einfach ist – darüber kann seine Sanftheit nicht hinwegtäuschen. Fauré schrieb beispielsweise heikle Unisono-Passagen oder auch ausgesetzte Melodielinien in seine Partitur.

Die beiden Solisten Silke Evers (Sopran) und Christian Hilz (Bariton) fügten sich mit ihren eleganten, klaren Stimmen gut ein, wenngleich sie wenig Raum hatten, sich zu entfalten (denn der Chor spielt eindeutig die Hauptrolle). Und so blieben nur wenige Wünsche offen. Manches hätte noch eine kräftigere Farbe vertragen, und die Tenöre konnten sich bisweilen gegen das Orchester nicht durchsetzen (was wohl den krankeitsbedingten Ausfällen geschuldet war).

Moderne Klangsprache

Vermutlich kannten längst nicht alle der rund 300 Zuhörer in der nicht einmal halbvollen St.-Mang-Kirche dieses Requiem. Fast völlig unbekannt dürfte das zweite Stück des Konzerts gewesen sein: 'Lux Aeterna' von Morten Laudridsen aus dem Jahr 1997. Es atmet den gleichen Geist wie das Fauré-Requiem, die Klangsprache ist freilich weitaus moderner, wenngleich nicht sperrig.

Zeitgenössische Amerikaner muten den Ohren meist nicht zu viel Schräges zu.

Bei Lauridsen lösen sich starke Reibungen oft auf in einfache Akkorde. Allerdings hatten Chor und Orchester zu Beginn noch mit der einen oder anderen Harmonie und Modulation zu kämpfen. Erst im Laufe der ebenfalls sieben Sätze kam die Sicherheit, um auch dieses farbige, lebendige Stück zwischen Zartheit und Jubel zu einem Hörerlebnis werden zu lassen.

Dem Kirchenmusikdirektor Frank Müller ein großes Lob für seinen Mut, zwei solche Werke in Kempten zu präsentieren.

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