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Reproduktionsmedizin - Birgt sie Gefahren für Mutter und Kind?

Seit zwei Jahren gibt es am Kemptener Klinikum das Kinderwunschzentrum. So ließen sich 2009 bereits 217 kinderlose Paare behandeln und im Jahr 2010 kamen 246 neue Paare hinzu. Dabei gibt es verschiedene Verfahren - wie die Stimulation des Eierstocks zur Empfängnis auf natürlichem Wege, die Inseminationsbehandlung, bei der das Sperma aufbereitet und konzentriert wird, oder die In-vitro-Fertilisation (IVF), also die künstliche Befruchtung im Reagenzglas. Zum Thema Reproduktionsmedizin und deren Risiko fand jetzt in Kempten ein Workshop mit internationaler Besetzung statt. Wir befragten dazu Professor Dr. Ricardo Felberbaum, Chefarzt der Frauenklinik:

Ein hochkarätig besetzter Workshop zum Thema Reproduktionsmedizin fand in Kempten statt. Wie kommt es zu der Veranstaltung?

Felberbaum: Die Europäische Gesellschaft für menschliche Reproduktion und Embryologie (ESHRE) gibt ihren Mitgliedern die Möglichkeit, die Ausrichtung solcher Veranstaltungen zu beantragen. Das habe ich getan. Es hat dann einigen Einsatz gekostet, die Verantwortlichen davon zu überzeugen, dass so etwas in Kempten auch möglich sein würde. Gemeinsam mit meinem Freund und Kollegen Professor Küpker aus Baden-Baden habe ich dann das Programm entworfen, die Kollegen kontaktiert - und alle haben sofort zugesagt. Wissenschaft lebt eben auch von Freundschaft. Ich kann sagen, dass der Workshop ein voller Erfolg war. Teilnehmer aus 15 Nationen, zum Teil aus Übersee sind gekommen, um die Vorträge zu hören und zu diskutieren.

Und natürlich, um die Schönheiten des Allgäus kennenzulernen.

Worum ging es bei dem Workshop?

Felberbaum: In der Kinderwunschbehandlung kommen hoch-aktive Substanzen zum Einsatz, die theoretisch Einfluss auf das Risiko, später an einer bösartigen Krankheit zu leiden, erhöhen können. Wir sind zwar überzeugt, dass unsere Behandlungsformen sicher sind, aber wir halten es für nötig, immer wieder genau hinzusehen. Wir tragen die Verantwortung für die von uns behandelten Menschen und auch für die Kinder, die aus diesen Behandlungen entstehen. Wenn es Risiken gibt, dann wollen wir auch diejenigen sein, die sie als erste erkennen.

Wurden Erkenntnisse für Patienten und Betroffene gewonnen?

Felberbaum: Drei Dinge konnten klar herausgearbeitet werden. Zum einen besteht nach allem, was wir wissen, keinerlei erhöhtes Risiko für die Kinder, die nach assistierter Reproduktion geboren werden, später an einer Krebserkrankung zu erkranken. Das hat Professor Reiss aus Rotterdam klar herausarbeiten können. Gleiches gilt für den Eierstockkrebs. Hier hatten wir die größten Sorgen, aber die Daten sprechen eine klare Sprache. Professor Ron-El und Professor Lerner-Geva, beide aus Israel, konnten klar demonstrieren, dass kein erhöhtes Risiko für einen Eierstockkrebs bei den Frauen besteht, die eine IVF-Behandlung durchlaufen haben. Nicht ganz so sicher sind wir beim Brustkrebs. Frauen über 35 Jahre, die noch nie schwanger waren, bergen von vorneherein ein erhöhtes statistisches Risiko für diese Erkrankung.

Die hohen Östrogenspiegel während einer IVF-Behandlung können dann ein eventuell vorhandenes sehr kleines Karzinom in der Brust in seinem Verlauf beeinflussen. Der Vortrag der weltweit renommierten Epidemiologin Louise Brinton aus den USA, aber auch der Vortrag von Professor Emons aus Göttingen wiesen darauf hin.

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