Special Wirtschaft im Allgäu SPECIAL

Kempten / Oberallgäu
Rentner brauchen Minijob, weil das Geld nicht reicht

Immer mehr Rentner müssten arbeiten, weil ihre Rente nicht reicht: Darauf machten jetzt die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi und die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) aufmerksam. Sie sprechen von einer «alarmierenden Entwicklung»: In den vergangenen Jahren habe die Zahl der Rentner mit Minijobs in Kempten um rund 37 Prozent zugenommen, im Oberallgäu seien es 33 Prozent gewesen.

Schon 2003 verdienten 758 Rentner laut den Gewerkschaften durch eine geringfügige Beschäftigung dazu. Vier Jahre später habe es bereits 1036 Renten-Jobber in der Stadt gegeben. Im Landkreis Oberallgäu, heißt es von den Gewerkschaften weiter, verdienten 2003 noch 1212 Rentner dazu, vier Jahre später waren es 1606. Verdi und NGG berufen sich dabei auf Zahlen der Bundesagentur für Arbeit.

Um diese Entwicklung zu stoppen, fordern die Gewerkschaften die schnelle Einführung eines gesetzlichen Mindestlohns von 7,50 Euro pro Stunde. Dieser müsse dann rasch auf neun Euro steigen. Denn nur der Mindestlohn könne künftigen Rentnern ausreichende Altersbezüge sichern. «Wer als Rentner arbeitet, der macht das in der Regel nicht aus Spaß.

Es ist meistens die pure Not, die ältere Menschen dazu zwingt. Sie sind auf den Job neben der Rente schlichtweg angewiesen», sagt Peter Schmidt. Der Geschäftsführer der NGG-Region Allgäu befürchtet, dass die Zahl der Senioren, die von ihrer Rente nicht mehr leben können, in den kommenden Jahren drastisch zunehmen werde.

Gesetzlicher Mindestlohn

«Das größte Problem sind Dumpinglöhne. Mit einem viel zu niedrigen Einkommen lässt sich keine existenzsichernde Rente aufbauen. Von einer privaten Altersvorsorge ganz zu schweigen», sagt Werner Roell. Der Geschäftsführer vom Verdi-Bezirk Kempten betont, dass Vollzeitbeschäftigte ein Einkommen benötigten, das ihnen später auch eine ausreichende Rente sichere.

«Genau deshalb brauchen wir einen gesetzlichen Mindestlohn», erklärt Schmidt. Auch eine Mehrheit der Bevölkerung halte diesen für erforderlich. Dss könne die neue schwarz-gelbe Bundesregierung nicht ignorieren. Der Mindestlohn müsse ganz oben auf der politischen Tagesordnung stehen.

Verdi und NGG fordern Beschäftigte mit einem Stundenlohn von unter sechs Euro auf, ihre Dumpinglöhne zu melden - und zwar unter: www.dumpinglohn.de

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