Sontheim/Unterallgäu
Reizthema Solarparks

Was ist wichtiger: Das Landschaftsbild des Unterallgäus erhalten oder möglichst viel Strom aus erneuerbaren Energien gewinnen? Dieser «Zielkonflikt» wie es Landrat Hans-Joachim Weirather nannte, beschäftigte gestern die Bürgermeister bei der Kreisverbandsversammlung des Bayerischen Gemeindetags in Sontheim. Weirather zufolge steigt das Interesse an großflächigen Photovoltaikanlagen auf freien Flächen. Es stelle sich die Frage, «inwieweit wir diesen Weg gehen wollen».

«Dass Photovoltaik auf Hausdächern unproblematisch und förderungswürdig ist, ist unbestritten», betonte der Landrat. Aber auf Wiesen bedeuteten die Sonnenkollektoren einen großen Eingriff ins Landschaftsbild. Während der Bau von Biogasanlagen nach einem Boom stagniere und das Vorranggebiet Ollarzried mit der maximalen Zahl an Windkraftanlagen bestückt sei, gebe es für Solarparks Anfragen von einer Größe bis zu 20 Hektar. «Das ist eine gewaltige Angelegenheit.»

Weirather: «Die Frage ist, winken wir alles durch?»

Kommunen können die Errichtung der Anlagen allerdings steuern. Denn im Gegensatz zu Kollektoren auf dem Dach müssen Solarmodule auf freier Fläche laut Rechtsfachmann Dr. Franz Dirnberger von der Gemeinde genehmigt werden. «Niemand ist grundsätzlich dagegen», sagte Weirather, der vor allem auf vorbelasteten Flächen wie Kiesgruben oder Mülldeponien keine Probleme sah.

«Die Frage ist, winken wir alles durch?».

Aus energetischer Sicht sind Photovoltaikanlagen laut Martin Sambale vom Energie- und Umweltzentrum Allgäu sinnvoll. Ein zehn Hektar großer Solarpark könne 1000 Haushalte mit Strom versorgen. Um dieselbe Menge Energie zu erzeugen, brauche man bei einer Biogasanlage 160 Hektar. Die energetische Amortisation, also die Zeit, die eine Solaranlage braucht, um so viel Energie zu erzeugen, wie für ihre Herstellung benötigt wurde, betrage drei Jahre. Eine Photovoltaikanlage habe aber eine Lebensdauer von weit über 20 Jahren.

Auch Dirnberger versprach den Bürgermeistern eine «Erfolgsgeschichte», wenn sie sich Folgendes auf die Fahnen schrieben: Nach objektiven Kriterien entscheiden, ob ein Standort geeignet ist und nicht danach, «ob ein Landwirt Geld braucht». Alternativen diskutieren und bei der Festsetzung des Bebauungsplans regeln, wann die Anlage wieder abgebaut werden muss, wer das tut und wer dafür aufkommt.

Eine geeignete Stelle für einen Solarpark ist aus Dirnbergers Sicht zum Beispiel bei einem Gewerbegebiet, wohingegen die Anlagen bei einem Wohngebiet optisch stören und «Blendeffekte» auftreten könnten.

Türkheims Bürgermeister Silverius Bihler riet seinen Kollegen, bei der Entscheidung «ordentlich abzuwägen». Es gebe abschreckende Beispiele, wo die Voralpenlandschaft verschandelt worden sei.

Als Konsens hielt Kreisvorsitzender Werner Birkle fest, dass man mit der Zeit gehen, bei Solaranlagen aber behutsam vorgehen und Verantwortung für das Erscheinungsbild der Region übernehmen wolle.

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