Lindenberg
Reiter überbrachten einst die frohe Kunde

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Feste feiern, wie sie fallen - darin sind die Lindenberger mittlerweile geübt. Abgesehen von Huttag, Käse- und Stadtfest liefern regelmäßig geschichtliche Anlässe einen Grund dazu. Am Wochenende blickte die Stadt auf die Markterhebung vor 225 Jahren zurück. Gefeiert wurde mit einem vielschichtigen Programm für alle Altersklassen, in dessen Mittelpunkt ein Festakt im Löwensaal stand.

Der Ort blüht dadurch auf

Stadtarchivar Günter Fichter nahm die rund 200 Zuhörer mit auf eine Reise in die Vergangenheit. In seinem mit mehreren historischen Aufnahmen illustrierten Vortrag verriet er, dass die Lindenberger Pferdehändler wohl bereits schon ab Mitte des 17. Jahrhunderts erste Märkte abgehalten haben, zu denen sogar Kunden aus Italien oder Frankreich anreisten. Diese frühen Jahrmärkte, über die es leider kaum Aufzeichnungen gibt, hielten sich wohl bis 1730, ehe Kriege und Seuchen das damals 500 Seelen zählende Dorf heimsuchten. Dank Pferdehandel und Hutmacherei meisterte Lindenberg allerdings auch diese Krise.

Der Ort blühte auf, die Einwohnerzahl verdoppelte sich - und im Sommer 1784 überbrachten kaiserliche Beamten, die auf Pferden aus Bregenz kamen, den Lindenbergern eine Pergamenturkunde, in der Kaiser Joseph II. dem Ort erlaubte, künftig jährlich drei Viehmärkte abzuhalten. Lindenberg war zur Marktgemeinde geworden. «Weiter hieß es in dem Urkundentext, dass Lindenberg seine neue Freiheit ruhig gebrauchen und genießen soll», erzählte Fichter.

In seinem Grußwort betonte Bürgermeister Johann Zeh, dass die Markterhebung «ein für damalige Verhältnisse großes wirtschaftliches Ereignis» gewesen sei. Die Lindenberger hätten die Ärmel hochgekrempelt und ihren Heimatort vom ärmlichen Dörflein in ein vitales Mittelzentrum mit mittlerweile 11000 Einwohnern verwandelt. Man sei sich dieser Vergangenheit bewusst und wolle diese Tatkraft auch in die Zukunft transportieren.

«Lindenberg wird auch in Zukunft nicht beliebig auswechselbar sein, sondern seinen Charakter bewahren», versprach der Bürgermeister.

Glückwünsche überbrachte außerdem Regierungspräsident Karl Michael Scheufele, der die Verleihung des Marktrechtes als «wichtigen Markstein in der großen Vergangenheit der Stadt Lindenberg» bezeichnete. Als Vertreterin des Landkreises erinnerte stellvertretende Landrätin Barbara Krämer-Kubas daran, dass Lindenberg als «Perle des Westallgäus» schon früh über seinen eigenen Tellerrand hinausgeblickt hätte. Sie lobte das vielfältige Festprogramm, das in der Tat für alle Alters- und Interessensgruppen etwas zu bieten hatte.

Harfenspiel und Volkstheater

Während Harfenspielerin Angela Schlögl den Festakt musikalisch umrahmte, stellten Schauspieler des Lindenberger Volkstheaters szenisch das damalige Dorfleben nach und die Beweggründe, die die Lindenberger im Jahr 1783 dazu gebracht haben, um das Marktrecht zu bitten: nämlich die Stärkung des Pferdehandels und der Landwirtschaft. «Die Markterhebung war Anerkennung und Bestätigung eines seit längerer Zeit fortgeschrittenen wirtschaftlichen und sozialen Zustandes», bilanzierte auch Fichter.

Danach ging es stetig bergauf: 1818 erhielt Lindenberg erstmals einen eigenen Gemeindevorsteher, 1908 wurde mit Hans-Alois Schmitt der erste Bürgermeister gewählt - und 1914, wenige Tage nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges, wurde die Marktgemeinde Lindenberg zur Stadt Lindenberg erhoben. Spätestens 2014 dürfte in der Bergstadt also wieder groß gefeiert werden.

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