Mellatz
Reise durch Zeiten und Welten

Es herrscht absolute Stille im Bildungshaus der Comboni-Missionare in Mellatz (Opfenbach). Michael Reimann bewegt sich langsam durch die Reihen nach vorne zum Altar und eröffnet das Konzert «Musik der Freude» mit den tiefen, meditativen Tönen eines Gongs, wie man ihn oft im asiatischen Raum findet. Mit den Worten «Laut Hildegard von Bingen hat Gott mit der Musik den Menschen eine Erinnerung an das Paradies hinterlassen. Heute abend möchte ich, dass Sie sich daran erinnern» begrüßt der klassisch ausgebildete Multi-Instrumentalist ein rund 60-köpfiges Publikum, das er auf eine musikalische Zeitreise rund um den Erdball einlädt.

Im Laufe des Abends stellt Reimann mit insgesamt zwölf Instrumenten der immer wieder erstaunt blickenden Zuhörerschaft unter Beweis, dass selbst mit einfachsten Gegenständen wie Steinen oder einer Muschel aus dem indopazifischen Ozean Musik erzeugt werden kann. So entführt er mit einem Gemshorn, dem «Prototyp» der Blockflöte, in das frühe Mittelalter, mimt den koreanischen Volksbarden, ahmt mit einer Maultrommel aus Kirisistan eine Mücke nach oder zeigt sich als virtuoser Klavierspieler mit einem Stück von Johann Sebastian Bach.

Man mag sich manchmal fragen, was er nun damit wieder anstellt, wenn Reimann aus einer Palette von «Instrumenten, die gar keine sind», wie er selbst behauptet, ein Stück hervorholt, dass zunächst aussieht, als könne man es in der Küche ganz gut gebrauchen.

Doch ehe man sich versieht, trägt Reimann mittels einer afrikanischen Wasserschüssel, bei der sich der Resonanzboden auf dem Wasser befindet, ein akustisches Phänomen vor, das einen ungeahnt tiefen Ton erzeugt und das Publikum in Staunen versetzt. Als ein «biologisch-dynamisches Dolby Surround-Erlebnis» bezeichnet Reimann dagegen das Stück «Kalimba Dance». Er spielt dabei auf zwei Instrumenten gleichzeitig.

Das Instrumentarium besteht, wie der Musiker betont, meist aus Naturinstrumenten, und er selbst spiele ohne elektronische Hilfsmittel. Besondere Aufmerksamkeit schenke er dabei der natürlichen Obertonreihe, die die Grundlage aller Tonsysteme bilde. Nach jedem Stück hält er kurz inne, als wolle er die Töne nicht verklingen lassen. Und genau das rät der leidenschaftliche Pianist mit einem Hang zum Schauspielerischen auch dem Zuhörer nach dem letzten Lied: «Bitte klatschen Sie jetzt nicht.

Behalten Sie diese Klänge und nehmen Sie sie mit nach Hause.»

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