Fasten
Reinigung für Körper und Seele

Wenn ihr fastet, macht kein finsteres Gesicht wie die Heuchler. Sie geben sich ein trübseliges Aussehen, damit die Leute merken, dass sie fasten. Amen, das sage ich euch: Sie haben ihren Lohn bereits erhalten. Du aber salbe dein Haar, wenn du fastest, und wasche dein Gesicht, damit die Leute nicht merken, dass du fastest, sondern nur dein Vater, der auch das Verborgene sieht; und dein Vater, der das Verborgene sieht, wird es dir vergelten.

Aus der Bergpredigt

Kempten Die einen machen es schlicht und einfach, um ein paar Pfunde herunter zu bekommen. Andere wollen ihren Körper entschlacken und wieder andere haben religiöse Motive. «Bei mir ist es Letzteres», sagt Birgit Schüßler. Am heutigen Karsamstag beendet die Gemeindereferentin von St. Lorenz ihr dreiwöchiges Fasten vor Ostern. Immer wieder - mindestens einmal im Jahr - fastet die 45-Jährige, «weil es den Körper reinigt und die Seele gleich mit». Birgit Schüßler setzt dabei auf die Fastenmethode nach Hildegard von Bingen.

Viele Dinkelprodukte, viel Wasser und Tee, ein selbst gemachter Birnenbrei zur Darmreinigung und eine Fastensuppe aus Gemüse sind ernährungstechnisch die Grundbestandteile dieses Fastens. Dazu, so Birgit Schüßler, kommt die Entgiftung über die Haut durch Trockenbürsten und das Duschen mit einem Basenbad. Auch dazu gehören ein Aderlass oder das Schröpfen. «Über das Schröpfen kann man Rückschlüsse auf die Seele ziehen», ist sich Birgit Schüßler sicher. Denn rote Flecken an den Körperstellen würden anzeigen, ob einem etwas über die Leber gelaufen sei oder an die Nieren gehe.

Doch unabhängig davon, welche Methode man nun wählt: «Sobald man fastet, löst sich etwas von der Seele, Dinge werde einem bewusster und klarer», hat die 45-Jährige als Erfahrung gemacht. Und das wiederum zwinge zu Veränderungen und zu einer Umkehr im Leben. Und schließlich merke man, dass das Essen nicht alles sei. «Schon im Johannesevangelium steht ja: Der Mensch lebt nicht vom Brot allein», weiß die Gemeindereferentin.

Für die Christen sind der Advent und die Wochen vor Ostern die eigentlichen Fastenzeiten. «Im Advent ist das Fasten eine Vorbereitung auf die innere Geburt und zu Ostern wird die Passion meditiert.» Diese Meditation solle einem selbst ins Bewusstsein rücken, anderen zu helfen, ihr Kreuz zu tragen.

Rückzug auf sich selbst

Ob man aber nun im Advent, vor Ostern oder zu anderen Zeiten fastet - wichtig ist laut Birgit Schüßler immer der Rückzug auf sich selbst. Der könne übrigens auch gelingen, wenn man in der Fastenzeit nur auf bestimmte Dinge wie Alkohol oder Zigaretten verzichtet. «Das ist auch toll», meint die Gemeindereferentin, «und sogar noch ein bisschen schwieriger als der generelle Verzicht.» Und: «Fasten heißt nicht, dass man sich knechten muss, mir macht das Fasten sogar Spaß.» Denn es fördere die Disziplin, was wiederum gut fürs ganze Leben sei. Und der Verzicht erinnere einen daran, wieder dankbar zu sein. «Beispielsweise dafür», sagt Birgit Schüßler mit Blick auf die Reaktorkatastrophe in Japan, «dass ich die Gänseblümchen aus meinem Garten noch essen kann.»

 

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