Bad Grönenbach
Rechtzeitig Vorsorge treffen

Dicht gedrängt saßen die Besucher im restlos gefüllten Kursaal in Bad Grönenbach, um sich im Rahmen einer Aktionswoche über die Vorsorgevollmacht und die Patientenverfügung zu informieren. «Jeder Bürger hat ab dem 18. Lebensjahr Vorsorgebedarf», erläuterte Dr. Christof Weitzel, denn schwere Erkrankungen oder Unfälle, könnten dem Leben eine ungeahnte Wendung geben.

Der Mediziner riet dazu, durch eine Vollmacht oder eine Verfügung rechtzeitig rechtliche Vorsorge zu treffen. Viel hätten Ängste, die vom Wegfall der Selbstbestimmung über das völlige Ausgeliefertsein gegenüber den Pflegenden bis hin zur Entmündigung reichen. «Wir Ärzte können den Willen der Patienten aber nur achten, wenn wir ihn kennen», meinte Weitzel. Gerade bei Unfällen oder einem Schlaganfall könne es sehr schnell geschehen, dass sich der Patient nicht mehr ausdrücken kann.

Die Patientenverfügung biete aufgrund einer neuen gesetzlichen Regelung seit Anfang September mehr Rechtssicherheit, erläuterte Weitzel. Es falle die Reichweitenbegrenzung weg und sie gelte jetzt in jeder Phase einer Erkrankung (Wachkoma, Demenz etc.

). Da das Dokument weitreichende Konsequenzen enthält, sollte der Inhalt auf alle Fälle mit den Angehörigen durchgesprochen werden. Eine Patientenverfügung sei eine Willenserklärung für den Fall, dass man seinen Willen nicht mehr ausdrücken kann. Aus diesem Grund sollte das Dokument alle ein bis zwei Jahre aktualisiert und den persönlichen Neigungen angepasst werden.

Zu beachten sei auch, dass der Ehepartner nicht automatisch bevollmächtigt ist. Auch das müsse schriftlich festgelegt werden. So könne man vorbeugen, dass das Betreuungsgericht im Ernstfall einen Betreuer bestimmt. Eine Vorsorgevollmacht hingegen wird für einen Bevollmächtigen ausgestellt und ist sofort gültig. Als Bevollmächtigen sollte man nur eine absolute Vertrauensperson auswählen, rät Weitzel, um Missbrauch zu vermeiden.

Gesundheitsfürsorge, Aufenthalts- und Wohnungsangelegenheiten, Pflegebedürftigkeit und Vermögensvorsorge sind Bereiche, für die beispielsweise eine Vollmacht ausgestellt werden kann. Im Ernstfall wird der Mediziner eine Indikation stellen. Die daraus folgenden medizinischen Maßnahmen sind mit dem Bevollmächtigten oder dem Betreuer dahingehend abzustimmen, ob dies dem Willen des Patienten entspricht. Falls keine Einigung über die weitere medizinische Behandlung erzielt werden kann, wird das Betreuungsgericht eingeschaltet. Weitzel empfiehlt, sich vor dem Abschluss einer Patientenverfügung oder einer Vorsorgevollmacht beim Arzt des Vertrauens, dem St. Elisabeth Hospiz, dem BRK-Kreisverband oder dem BRK-Betreuungsverein beraten zu lassen.

Veranstaltungen gab es in der Aktionswoche auch in Boos, Babenhausen, Markt Rettenbach und Ottobeuren.

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