Raubkopien in der Disko abgespielt

Kempten (sh). Die Verhaftung am Arbeitsplatz blieb dem 21-Jährigen gerade noch einmal erspart. Schließlich wurde ihm in allerletzter Minute klar, dass es wahrlich höchste Eisenbahn war, vor dem Kemptener Amtsgericht zu erscheinen. Dort nämlich sollte gegen ihn verhandelt werden, weil er zahllose Musiktitel illegal aus dem Internet heruntergeladen und sie dann als DJ in Diskos und Kneipen abgespielt hatte.

Den Gerichtstermin, so versicherte der 21-Jährige dem Richter schließlich per Telefon, habe er nicht gekannt - die Vorladung sei wegen eines Umzugs nie bei ihm angekommen. Der Richter drückte ein Auge zu und ersparte dem Oberallgäuer einen polizeilichen Aufmarsch vor seinem Ausbildungsbetrieb. Endlich auf der Anklagebank angekommen, gab der 21-Jährige reuig alle Taten zu - und kam so mit einer Verwarnung nebst 300 Euro Geldbuße davon.

Eigentlich, so zeigte der Blick ins Sündenregister des Oberallgäuers, hat dieser schon einige Erfahrung in Sachen Amtsgericht und sollte sich daher mit solchen Terminen auskennen. Nicht nur mehrere Autofahrten ohne Schein haben ihm schließlich schon Verurteilungen eingebracht, sondern auch eine vorsätzliche Körperverletzung sowie Computerbetrug und Trunkenheit im Verkehr.

Polizei ermittelte

Was ihn nun neuerlich vor den Kadi führte, war ein völlig fehlgeschlagener Versuch, als Diskjockey in der Disko- und Kneipenszene im südlichen Landkreis Fuß zu fassen. Um arbeiten zu können, hatte der 21-Jährige ohne Schulabschluss nämlich ab Januar 2005 zahlreiche Songs illegal aus dem Internet heruntergeladen und auf CDs gebrannt. Mit diesen CDs im Gepäck stürzte er sich dann ins Nachtleben, um beispielsweise bei einer großen Silvesterparty die Gäste zu unterhalten oder dem Publikum einer Sonthofener Diskothek einzuheizen.

Doch der Traum vom erfolgreichen DJ war schnell ausgeträumt, Ermittlungen der Polizei nämlich sorgten für ein recht böses Erwachen bei dem Oberallgäuer, der bereits zweimal eine Lehre abgebrochen hat. Unerlaubte Verwertung urheberrechtlich geschützter Werke in insgesamt 193 Fällen lautete schließlich die Anklage.

Glück hatte der junge Mann, der über ein Förderprogramm inzwischen eine Lehrstelle im Einzelhandel gefunden hat, dass der Richter ihn über das Jugendstrafrecht aburteilte. 'Sie kommen wirklich glimpflich davon', mahnte der Richter künftig besseres Verhalten an - zumal es da eine offene Bewährungsstrafe gibt, auf deren Vollzug man noch einmal verzichtet habe.

Im Blaumann auf der Anklagebank

Der junge Mann, der wegen der hektischen Anfahrt zum Prozess im blauen Arbeitsoverall auf der Anklagebank saß, hatte während der Verhandlung nicht viel gesagt. Mit einem Kopfnicken gab er die Taten zu - die CDs mit den raubkopierten Songs und einigen Filmen waren schließlich allesamt bei ihm beschlagnahmt worden.

Sichtlich erleichtert war er aber, als es der Richter bei einer Verwarnung beließ und nahm den Urteilsspruch gleich im Gerichtssaal an. Neben der Verwarnung bekam der Oberallgäuer 300 Euro Geldauflage aufgebrummt - von seinen rund 200 Euro Lehrlingsgehalt soll er dabei monatlich 30 Euro abstottern. 'Machen Sie ja nicht noch einmal so einen Mist', gab ihm der Richter schließlich deutliche Worte mit auf den Heimweg.

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