Oberstaufen
Putzarbeit treibt Schweißperlen auf die Stirn

«Herr Wagner, arbeiten, nicht rumstehen», schallt es durch die katholische Kirche St. Peter und Paul in Oberstaufen. Hausherr Dr. Johannes Netzer weist seinen evangelischen Kollegen Frank Wagner genau in seine Aufgaben ein: «Sehen Sie, hier sind unzählige Fingerabdrücke auf dieser Glastür. Die soll wieder sauber und glänzend werden.»

Putzlappen und Staubsauger schwangen die beiden Staufner Pfarrer am Samstag, weil sie (freiwillig) ihre Wette verloren hatten (wir berichteten). Die passende Arbeitsbekleidung der beiden Gottesmänner: T-Shirts mit der Aufschrift «Wir reinigen Seelen und die Kirche.» Wagner säuberte das katholische Gotteshaus, Netzer die evangelische Heilig-Geist-Kirche. Und die beiden nahmen ihre Aufgabe durchaus ernst: Schon nach dem Saugen des Altarraumes traten Frank Wagner die ersten Schweißperlen auf die Stirn. Seinem Kollegen, der zwischen den Bänken staubsaugte, ging es nicht anders. «Das Saugen war am anstrengendsten», befand Netzer hinterher.

Glastür bereitet Schwierigkeiten

Unter den wachsamen Augen der beiden Mesner Frederic Chaves und Marie Reumke sowie des Schirmherrn Dr. Bernd Wulffen polierten, wischten und schrubbten die Geistlichen mit großem Eifer. Hausarbeit sei er gewohnt, behauptete Frank Wagner großmütig, müsse er doch zu Hause auch mit anpacken und kenne das Putzen außerdem aus seiner Studienzeit. Doch das Reinigen der Glastür stellte ihn dann doch vor einige Schwierigkeiten. Mesner Chaves schüttelte den Kopf, als Wagner kreuz und quer über die Scheibe wischte. «Von oben nach unten muss man das machen», erklärte er geduldig.

Pfarrer Netzer mühte sich derweil am Taufstein ab. Gründlich polierte er ihn mit verschiedenen Tüchern, («Jetzt muss man noch mal das Mittel hernehmen! - Frau Reumke, wo ist das Poliertuch?») und war am Ende zufrieden mit seiner Arbeit: «Mehr kann ich für dieses Taufbecken nicht tun.» Anschließend gings ans Putzen der Kanzel. Und auch das erfüllte den Pfarrer mit spitzbübischer Freude. «Jetzt habe ich eine evangelische Kanzel entstaubt.»

Nach zweistündiger Reinigungsaktion wartete der Lohn für die Mühen: Ein gemeinsames Weißwurstfrühstück im katholischen Pfarrheim. Dort ließ man die getane Arbeit Revue passieren. «Das war kein Schauputzen, das war ein Stück weit richtige Knochenarbeit», betonte Pfarrer Wagner. Pfarrer Netzer resümierte: «Am schönsten fand ich es, den Taufstein zu putzen - denn die Taufe ist das Symbol, das uns verbindet.

» Warum die beiden Geistlichen die Putzaktion trotzdem durchgezogen haben, obwohl sie streng genommen ihre Wette gewonnen hätten? «Wir haben ein bisschen getrickst, um diese schöne ökumenische Aktion abzuschließen», erklärte Netzer.

Eines ging Pfarrer Wagner am Ende nicht mehr aus dem Kopf: «Warum langen die Leute immer an die frisch geputzte Scheibe statt an den Griff?»

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