Gericht
Prügelnder Vater aus Kempten muss hinter Gitter

Dass der kleine Bub noch lebt und vor allem, dass er heute kerngesund ist, grenzt fast an ein Wunder. Denn was sich da in jener Nacht im März ereignet hat, hätte für den Säugling katastrophale Folgen haben können. Als das vier Wochen alte Baby - ein Frühchen - ununterbrochen schrie, packte der 19 Jahre alte Vater das Kind und schlug ihm auf die Wange. Wegen Misshandlung von Schutzbefohlenen saß der Mann jetzt auf der Anklagebank. Er wurde zu einer Jugendstrafe von zehn Monaten verurteilt.

Die Geschehnisse jenes Abends und der darauf folgenden Nacht wollte der junge Mann, der als Möbelpacker arbeitet, vor Gericht nicht mehr schildern. Dafür trat die Mutter seines Kindes, seine 19 Jahre alte Freundin, als Zeugin auf. Sie schilderte, wie die Kemptenerin und der Bonner sich übers Internet kennengelernt hatten. Zunächst zog sie zu ihm nach Bonn und wurde schwanger. Im November vergangenen Jahres zog das Paar nach Kempten, wo es vier Monate später in der gemeinsamen Wohnung passierte. << Wir hatten Streit >>, schilderte die Zeugin. Weil er das Kind nicht ins Bett bringen wollte. Als das Baby schrie, warf der Vater den Säugling aus etwa einem halben Meter Entfernung aufs Sofa.

Als das Kind wieder beruhigt war, nahm der Vater es mit ins Schlafzimmer, die junge Mutter blieb im Wohnzimmer. Stunden später dann tauchte er dort mit dem Baby im Arm auf und erzählte, dass es ganz blau angelaufen sei. Warum, wisse er nicht. << Ich habe ihn auch in den nächsten Tagen immer wieder gefragt >>, versicherte die 19-Jährige.

Erst zwei Tage später, als die Hebamme zu der kleinen Familie kam, ging die Mutter zum Kinderarzt. Der verwies den Säugling sofort ans Klinikum, wo die Ärzte Jugendamt und Polizei einschalteten. << Der Vater erzählte, dass das großflächige Hämatom im Gesicht von einem Wurf aufs Sofa stammte, aber das passte nicht zusammen >>, erklärte der Oberarzt vor Gericht.

<< Er hat geweint >>

Einem Kriminalbeamten, der ebenfalls vor Gericht aussagte, offenbarte der Vater schließlich, was wirklich passiert war: Weil das Kind nicht aufhörte zu schreien, legte er es aufs Bett, drehte sein Gesicht auf die Seite - und schlug zu. << Ich glaube, er war davon selbst geschockt >>, schilderte der Polizist: << Er hat geweint. >>

Die Staatsanwältin wertete das als Teilgeständnis. Wenngleich sie erwartet hätte, dass der Angeklagte, der derzeit bei seiner Mutter wieder in Bonn lebt, sich auch vor Gericht äußert. Das ließ er aber bleiben.

Ein Jahr Jugendstrafe forderte die Vertreterin der Anklage - und zwar ohne Bewährung. Aus folgendem Grund: Nur drei Wochen vor der Tat saß der Angeklagte wegen einer anderen Sache vor Gericht. Dort wurde ihm unter anderem zur Auflage gemacht, sich psychologische Hilfe zu holen und - wegen des Säuglings - beim Jugendamt vorstellig zu werden.

Nichts davon hat der 19-Jährige bislang getan.

<< Hätten Sie es gemacht, säßen wir heute nicht hier >>, meinte Jugendrichterin Nadine Weick. Sie blieb mit ihrem Urteil von zehn Monaten unter der Forderung der Staatsanwältin. << Aber nur >>, so Weick >>, weil das Kind keine bleibenden Schäden hat. >> Wie der Gutachter, ein Gerichtsmediziner, zuvor erläutert hatte, sei der Schlag auf den Kopf des Babys eine massive Gewalteinwirkung gewesen und hätte auch eine Hirnschädigung - und den Tod des Säuglings - zur Folge haben können. << Der Kleine hatte >>, so der Gutachter, << echtes Glück. >>

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