Prügelei unter Erwachsenen in Lindenberg

Lindenberg/Lindau | enz | Wegen gefährlicher Körperverletzung standen vier Lindenberger vor dem Amtsgericht Lindau. Es ging um zwei Schlägereien unter Paaren, eine auf der Straße und eine in einer Wohnung. Das Verfahren wurde schließlich mit Auflagen eingestellt.

Zuvor hatte die Beweisaufnahme das Tatgeschehen um die Raufereien vernebelt. An der Seite der vier Angeklagten buhlten drei Anwälte darum, ihre jeweiligen Mandanten so unschuldig wie möglich aussehen zu lassen. Ein wenig kurios mutete an, dass sich die Angeklagten weniger als Täter denn als Opfer fühlten. Ein Anwalt trat sogar in Doppelfunktion auf: Als Verteidiger und zugleich als Rechtsbeistand für seine als Nebenklägerin auftretende Mandantin.

Laut Anklage war es spätabends auf einer Straße in Lindenberg wegen eines geliehenen Geldbetrages von 50 Euro zu einem rabiaten Handgemenge zwischen vier Personen (drei Frauen und ein Jugendlicher) gekommen. Hauptleidtragende soll nach Auffassung der Staatsanwaltschaft eine 43-Jährige gewesen sein, die mit Haarschopfziehen den Zorn der drei anderen ausgelöst hatte und dafür verprügelt wurde.

Als die Wehklagende mit Blutergüssen nach Hause kam, eilte der Ehemann ins Nachbarhaus. Mit dabei seine Gemahlin, die der an der Straßenprügelei beteiligten Wohnungsinhaberin ihr Knie in den Bauch stieß. Der Ehemann schlug die Hausherrin und deren jungen Bruder. Letzterer muss sich wegen seiner Beteiligung an den Handgreiflichkeiten auf der Straße jugendgerichtlich verantworten.

Die anderen Streitbeteiligten wurden zum nachbarschaftlichen 'Stelldichein' auf die Anklagebank gebeten, wo sie sich mit wechselseitigen Schuldzuweisungen bedachten. Eine neutrale Tatzeugin konnte wenig zur Aufklärung beitragen. Sie sei als Schlichterin dazwischen gegangen und habe versucht, das unentwirrbar scheinende Knäuel der raufenden Personen zu entknoten.

Dass es Richterin Petra Wagner und Staatsanwalt Vladimir Klokocka gelang, einen unversöhnlich scheinenden Streit unter Nachbarn zu befrieden, freute zu guter Letzt auch die Anwälte.

Selbst die mit einer Geldbuße von jeweils tausend Euro allein zur Kasse gebetenen Eheleute zeigten sich über die Verfahrenseinstellung erleichtert. Nicht von ungefähr, war ihnen neben Körperverletzung auch noch Hausfriedensbruch zur Last gelegt worden, was sich bei einer Verurteilung strafverschärfend ausgewirkt hätte.'Nachträglich gesehen, war es ein Fehler, das Nachbarhaus betreten zu haben', gestand der Ehemann ein. Dessen Frau wies den Vorwurf des Kniestoßes als unwahr zurück.

Die vorsitzende Richterin Petra Wagner erklärte die Nachsicht des Gerichtes mit dem allseitigen Interesse am Rechtsfrieden zwischen Nachbarn und damit, dass die Verletzungen keine bleibenden Schäden hinterlassen hätten.

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