Verbrechen
Prozessauftakt am Memminger Landgericht: Angeklagte sollen Bewohner eines Obdachlosenheims getötet haben

Mit Händen und Füßen sollen sie ihr Opfer zu Tode geprügelt haben: Wegen gemeinschaftlichen Totschlags müssen sich daher nun zwei Männer vor dem Memminger Landgericht verantworten.

. Beim Prozessauftakt wollten sich die Angeklagten zu den ihnen zur Last gelegten Vorwürfen nicht äußern.

Die beiden 51 und 23 Jahre alten türkischen Staatsbürger lebten bis zum Tatzeitpunkt in Memmingen - der ältere ebenfalls in der Unterkunft für Obdachlose. Derzeit befinden sie sich in Untersuchungshaft. Die Verdächtigen wurden noch in der Tatnacht festgenommen, nachdem ein weiterer Bewohner des Heims die Rettungsleitstelle alarmiert hatte. Beim Eintreffen der Polizei hielten sich die beiden betrunkenen Männer noch in dem Gebäude im Erlenweg auf.

Blutbefleckter Besenstiel

Laut Anklage sollen die Beschuldigten den 31-Jährigen mehrfach geschlagen und getreten und dabei in Kauf genommen haben, dass der Deutsche mit türkischen Wurzeln dadurch ums Leben kam. Das Opfer sei 'massiven, stumpfen Gewalteinwirkungen' ausgesetzt gewesen. Nicht auszuschließen sei auch, dass die Täter zudem mit Gegenständen auf den Mann einschlugen. So sei etwa am Tatort ein mit Blut befleckter Besenstiel gefunden worden.

Das Opfer war laut Staatsanwaltsschaft zur Tatzeit ebenfalls stark alkoholisiert. Der Mann sei noch am Tatort gestorben. 'Das waren Verletzungen, wie man sie normalerweise nur nach einem schweren Verkehrsunfall hat', schilderte ein als Zeuge geladener Polizeibeamter den Zustand des Leichnams. Dem Obduktionsbericht zufolge erlitt der Mann Verletzungen am gesamten Körper - vor allem im Kopf- und Rumpfbereich. So wurden ihm etwa mehrere Knochen gebrochen und verschiedene Organe schwer verletzt. Die Behörden gehen davon aus, dass der Mann verblutete oder erstickte, weil aufgrund der Kopfverletzungen die natürlichen Atemreflexe nicht mehr richtig funktionierten.

In der Anklage heißt es weiter, dem Tötungsdelikt sei ein Streit zwischen dem 23-Jährigen und dem Opfer vorausgegangen. Der Angeklagte habe den bereits schlafenden Mann besuchen wollen und ihn geweckt. Daraufhin habe dieser ihn beschimpft und seine Mutter beleidigt, woraufhin der Angeklagte auf ihn losging. Der zweite Tatverdächtige sei später hinzugekommen und habe ebenfalls auf das Opfer eingeschlagen.

Die Männer hätten anschließend versucht, die Tat zu vertuschen. So sei die Leiche mit Wasser gewaschen und unter einer Matratze versteckt worden. Nach mehreren Zeugenaussagen soll es bereits vor der Tatnacht immer wieder Streitigkeiten zwischen dem 23-Jährigen und dem Opfer gegeben haben. Der 51-Jährige sei von anderen Bewohnern des Heims dagegen als friedlich beschrieben worden, sagte der Polizeibeamte aus.

Ein Urteil wurde noch nicht gefällt. Laut einem Gerichtssprecher sind für den Prozess insgesamt fünf Verhandlungstage angesetzt. Dabei sollen mehr als 30 Zeugen und Sachverständige angehört werden: neben Polizeibeamten überwiegend weitere Bewohner der Gemeinschaftsunterkunft.

Autor:

Andreas Schnurrenberger aus Kempten

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