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Promillegrenze für aggressive Jugendliche

l So ganz bei Verstand wegen zu viel hochprozentigen Alkohols im Blut seien sie an dem Abend im vergangenen Juli beide nicht mehr gewesen. Deshalb könnten sie sich auch an fast nichts mehr genau erinnern, beteuerten die beiden jungen Männer vor dem Amtsgericht Sonthofen gegenüber der Richterin Brigitte Grammatte-Dresse.

Weder an die verbale Auseinandersetzung mit einem 36-Jährigen vor einer Diskothek, noch daran, wer schließlich wie auf den Mann losgegangen ist. Der 36-Jährige hatte sich beim Verlassen der Disco darüber aufgeregt, dass die Angeklagten eine Flasche auf die Straße geknallt hatten. Nachdem der Mann nachgefragt hatte, was das soll, habe der 21-Jährige geantwortet: «Geh heim, du alter Mann, sonst muss ich dir den Kiefer spalten.» Der Geschädigte versicherte im Zeugenstand jedoch, dass er von einer Anzeige abgesehen hätte, wenn bei der «normalen Nachtschlägerei» nicht auch noch ein fremdes Auto beschädigt worden wäre. Die Polizei habe ihm zu seinem eigenen Schutz zu einer Anzeige geraten.

Offensichtliche Reifeverzögerung

Doch diese - zwar strafmildernde Aussage - des Geschädigten, so die Richterin, ändere generell an dem aggressiven Verhalten der Jugendlichen nichts. Und Taten unter Alkoholeinfluss schützten sowieso vor Strafe nicht, weil «jeder weiß, dass man unter Alkohol anders reagiert», betonte Gramatte-Dresse. Deshalb müsse das Gericht auf die Rolle des Alkohols bei der Tat eingehen. Während der 18-Jährige zum ersten Mal strafrechtlich in Erscheinung getreten war und nach dem Eindruck der Richterin offensichtlich «Reifeverzögerungen hat», beließ Grammatte-Dresse es in seinem Fall bei einer Verwarnung nach Jugendstrafrecht, einer Geldbuße von 300 Euro und 40 Stunden gemeinnütziger Arbeit.

Bei seinem Freund, der seit 2004 schon mehrmals auffällig geworden war, sei aber das Ende der Fahnenstange jetzt erreicht. «Ihr Problem sind die Aggressionen», meinte die Richterin. Dabei seien «jedwede tätliche Auseinandersetzungen und Beleidigungen zu vermeiden». In seinem Fall hatte Grammatte-Dresse freilich noch über einen weiteren Tatbestand zu entscheiden: Der damals 20-Jährige gab zu, nur drei Wochen nach der Schlägerei bei einer privaten Party auf seine Freundin losgegangen zu sein und ihr in den Bauch getreten zu haben. Auch damals seien «ein paar Bier» im Spiel gewesen. Die junge Frau musste daraufhin wegen Atemnot und einer geprellten Rippe ins Krankenhaus:. «Ich bereue das alles sehr und verspreche es nie wieder zu tun», versicherte der Angeklagte vor Gericht.

Die Richterin verurteilte ihn wegen vorsätzlicher und gefährlicher Körperverletzung zu einer einjährigen Jugendstrafe (ausgesetzt auf drei Jahre) auf Bewährung, einer Geldbuße von 500 Euro und 80 Stunden gemeinnütziger Arbeit. Außerdem dürfen beide Angeklagten je ein bzw. zwei Jahre lang nicht zu tief ins Glas schauen: Die Richterin setzte eine Promillegrenze von 0,5 Promille Blutalkohol und 0,25 Promille Atemalkohol.

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Allgäuer Zeitung aus Kempten

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