Kabarett
Preußische Rockröhre - Barbara Kuster begeistert im PiK in Memmingen

3Bilder

Ab dem Zeitpunkt, wenn Barbara Kuster die Bühne betritt, verändert sich etwas im Raum. In diesem Fall im PiK, das an diesem eiskalten Winterabend gerammelt voll ist. Es ist so, als würden alle Zuschauer innerlich Haltung annehmen vor einer auf den ersten Blick fast unscheinbaren Frau. Als überzeugte Preußin in Bayern setzt sie sich durch, bestimmt das Tempo – ein ganz schön schnelles Tempo, das laut Ankündigung 'nicht ganz unanstrengend werden kann', trotzdem aber jeden sofort mit sich reißt. 'Ab 20 Uhr wird zurückgeschossen' heißt Barbara Kusters über zweistündiges Programm.

Man folgt ihr gerne, lässt sich überraschen und überrumpeln und gerät schließlich ins Lachen über sich selbst, die Gesellschaft und die Politik. Gut beobachtet und messerscharf parodiert Kuster sich selbst, ihre Familie, Angela Merkel, Marlene Dietrich und immer wieder – als würde es sie überkommen – Tina Turner.

Sie tanzt und singt dabei wie eine soulige Rockröhre und verwandelt sich im Stegreif von der akkurat präzisen Preußin mit Sekretärinnenbrille und schwarzem Frauenkostümchen zur unaufhaltbar tanzenden, jeden Ton exakt treffenden Gesangs- und Tanzmaschine. Ohne Perücke, ohne Kostüm, nur durch Haltung, Hüftschwung und Gestik.

Aus Kostengründen hat sie sich gegen einen teuren und anspruchsvollen Pianisten, aber für eine gute Flasche Weißwein entschieden (vom Roten muss sie immer brechen). Aus demselben Grund hat sie auch einen rülpsenden Dirigenten aus Minsk via Telefonkonferenz engagiert, den sie Gnadi nennt und der bei Bedarf aufgerufen wird, damit der Tontechniker im Haus weiß, wann sie Musik braucht. Das funktioniert alles einwandfrei und ist gut durchdacht.

Hohe Kunst

Echtes Kabarett ist hohe Kunst, Kuster versteht ihr Handwerk; auch wenn ihre schnarrende Musicalstimme bisweilen Geschmacksache ist, versteht sie es, durch ihren Song 'Babelsberg, das ist Potsdam City Limits', der auf Tina Turners Klassiker basiert, einen echten Ohrwurm ins Ohr zu pflanzen. Endlich werden mal Merkel und Sarkozy als Traumpaar der Politik verbalisiert und die SPD samt ihrem Mann zur Realsatire.

Wer will, dürfe sie auch gerne einmal in Babelsberg besuchen, sagt sie, nur sollte man sie nicht mehr mit Tina Turner verwechseln, davon habe sie genug, auch wenn sie schwarze Strumpfhosen trage.

Mit viel Applaus und anständigen Zugaben wollen die Memminger die lieb gewonnene (Ost-)Preußin fast gar nicht mehr ziehen lassen. Die bekennende Allzweckwaffe hat ihr Ziel erreicht.

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

© Allgäuer Zeitungsverlag GmbH / rta.design GmbH

Powered by PEIQ

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen