Premiere Landestheater Vorarlberg inszeniert Kinder der Sonne von Maxim Gorki mit aktuellem Bezug

Von Helmut Voith | Bregenz In realitätsnaher Personenzeichnung hat Barbara Herold am Vorarlberger Landestheater in Bregenz Maxim Gorkis selten gespieltes satirisches Drama 'Kinder der Sonne' inszeniert. Blind für die wahre Situation, träumt die Intelligenz in ihrem Elfenbeinturm von einer glücklichen Menschheit und sieht sich 'von Bestien umgeben'.

In Egoismus gefangen

Gorki hat das tragikomische Stück nach der Revolution von 1905 im Gefängnis geschrieben und wollte seiner Welt damit einen Spiegel vor Augen halten.

Ohne dass die Regie krampfhaft aktualisieren würde, treten aktuelle Bezüge heraus. Die Menschen der das Leben bestimmenden Oberschicht, die 'Kinder der Sonne', haben den Blick für die Realität verloren. Sie bewegen sich in einem Schonraum und haben keinen Sinn für die existenziellen Probleme der Unterschicht.

Obwohl finanziell fast am Ende forscht der Chemiker Pawel Fjodorowitsch Protassow (stimmig Burghard Braun) vor sich hin. In seinem blinden Eifer interessieren ihn weder die Cholera vor der Tür noch seine Frau Jelena (Marion Freundorfer). Ein Glück für ihn, dass diese das 'große Kind' liebt und darum schützt.

Vom Mann vernachlässigt, vom befreundeten Maler begehrt, sieht die starke Frau auch die Menschen draußen und geht zu ihnen, nicht einmal die Cholera vermag sie zu bremsen. Pawels Schwester Lisa reagiert auf das Kommende, das sie ahnt, mit panischer Lebensangst - Sara Livia Krierer liefert eine packende Studie der depressiven Lisa -, die Übrigen sehen in grenzenlosem Egoismus nur ihre eigenen Probleme.

Im Untergangsambiente entfaltet sich ein dichtes Geflecht von Beziehungen, vom ganzen Ensemble intensiv dargestellt. Der Bezug zur Aktualität wirkt geradezu bedrängend.

Weitere Aufführungen im Theater am Kornmarkt am 13., 15., 16., 17., 21. und 22. Juni, jeweils um 20 Uhr.

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