Prem nicht der Wilde Westen

Prem/Weilheim | fis | Eine Strafe von 3500 Euro wegen Nötigung hat das Amtsgericht Weilheim gegen einen Mann aus Prem verhängt. Schon seit längerem verhinderte der Besitzer eines Betriebes die Errichtung eines Wanderweges entlang des Lechufers bei seinem Grundstück. Bei den Bauarbeiten kam es zum Eklat.

Bis er eines Tages den Zugang versperrte, hatte der Weg noch über das Grundstück des Angeklagten geführt. Freiwillige Helfer aus Prem kümmerten sich nun darum, den Weg direkt am Lechufer und somit auf Staatsgrund anzulegen. Doch auch dies gefiel dem Mann nicht. Er verbarrikadierte den Weg mit Holzbündeln, abgedeckt mit einer tonnenschweren Betonplatte. Als die Arbeiter das Hindernis wegräumen wollten, rollte er mit seinem Bagger an, um die Barrikade zu sichern. Unberührt davon, dass sich ein Arbeiter ihm in den Weg stellte, fuhr er auf das Hindernis zu. Nach einer Auseinandersetzung vor Ort kam der Vorfall zur Anzeige.

Vor allem die Selbstjustiz wurde dem Angeklagten im Prozess vorgeworfen. 'Wir leben doch nicht im Wilden Westen', mahnte der Richter den Angeklagten, der den Vorwurf einer Gefährdung deutlich von sich wies. Den Ablauf der Ereignisse schilderte danach ein Zeuge, der sich bei der Baggerfahrt in den Weg gestellt hatte. Seiner Meinung nach wurde ein Unglück nur dadurch verhindert, dass er im letzten Augenblick zur Seite sprang. Ein weiterer Zeuge bestätigte diese Aussage im Wesentlichen. 'Sie mögen sich wohl gegenseitig nicht?', fragte der Verteidiger den Zeugen, um einen möglichen Streitgrund zu erörtern. Dessen Antwort: 'Wer mag denn den schon in Prem?'

Anschließend wurde der hinzugerufene Polizeibeamte verhört. Mit der Begründung des eindeutigen Sachverhaltes wurde der Antrag des Verteidigers einer Beweisneuaufnahme vom Gericht abgelehnt. Die Staatsanwältin beantragte wegen Selbstjustiz und Nötigung eine Strafe von 4200 Euro. Auf Freispruch plädierte der Verteidiger, der die Zeugenaussagen als unglaubwürdig ansah und die Aktion seines Mandanten als Notwehr einstufte. 'Man darf nach deutscher Rechtsordnung sein Eigentum doch verteidigen', so sein Plädoyer. Der Angeklagte gelte außerdem als 'unbescholtener Mann.' Aus der Sicht des Richters war der Tatbestand der Nötigung erfüllt. Selbstjustiz könne nicht zugelassen werden. Neben der Strafe hat der Angeklagte die Kosten des Verfahrens zu tragen.

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