Preisträger rücken Menschen in Mittelpunkt

Von Klaus-Peter Mayr
| Kempten Die Jury der Festwochen-Ausstellung hat Franz Meier zu Recht den Kunstpreis der Stadt Kempten zuerkannt. Nicht nur, weil er einer der herausragenden Allgäuer Künstler ist. Und nicht nur, weil er ein aktuelles Thema aufgreift. Der Sonthofener Maler hat die Auszeichnung vor allem verdient, weil er zwei herausragende Bilder eingereicht hat.

Zwar ist nur seine «Ablenkung» prämiert worden (Dotation: 4100 Euro), doch auch das noch größere Ölgemälde «Öffentliches Schauen» zeugt von der großen Meisterschaft des immer noch sehr produktiven Künstlers, der am 13. Oktober 75. Geburtstag feiert. In beiden Bildern stellt er eine große Spannung her zwischen der (gesichtslosen) Masse und dem (abgelenkten) Einzelnen, schafft mit freier Pinselführung eine faszinierende Stimmung. Die Farben führen scheinbar ein von der Realität losgelöstes Eigenleben und beschreiben die Szene dennoch sehr genau. Sie erzeugen eine, wie die Jury lobt, «vibrierende Intensität und Ausdruckskraft». Vermutlich werden Meiers komplexe und zugleich klare Bilder viele Besucher ansprechen.

Auch bei Uli Scheitenberger, dem Gewinner des mit 2600 Euro dotierten Thomas-Dachser-Gedenkpreises, stehen Menschen im Mittelpunkt. Genauer gesagt Magda. In zwei Variationen hat der 1962 geborene Kissleger diese hilflose alte Frau gemalt, die gefüttert werden muss. Auch er benutzt - mit kraftvollen, intuitiven Pinselstrichen - Ölfarben, doch seine Figuren lösen sich viel stärker auf wie bei Meier, sind fragmentarisch hingeworfen. Dennoch fesseln die Szenen, ist die Dramatik spürbar, werden die psychischen und physischen Abhängigkeiten deutlich.

Man muss genau hinschauen

Das Kontrastprogramm zu diesen beiden Künstlern liefert der mit 2000 Euro bedachte Förderpreisträger Matthias Wohlgenannt. Der aus Heimenkirch (Westallgäu) stammende und nun in München lebende 33-Jährige lieferte zwei leise, rätselhafte Grafiken im kleinen Format ein. Man muss genau hinschauen. Das würdigte die Jury besonders: Auf raffinierte Weise fordere Wohlgenannt, dass seine Objekte intensiv betrachtet werden und immer wieder anders zu sehen seien.

Die Preisträgerwerke werden bei der Festwochen-Ausstellung im Hofgartensaal traditionell im Eingangsbereich präsentiert.

Dahinter öffnet sich in diesem Jahr eine besonders klar und licht gehängte Schau, die zudem durch die neue Beleuchtungsanlage in ein erheblich besseres Licht getaucht wird als bisher. 80 der 424 eingereichten Werken hat die Jury um den Kemptener Oberbürgermeister und Kunstfreund Dr. Ulrich Netzer ausgewählt - in einem schwierigen Ausleseprozess, wie Netzer zugibt. 65 im Allgäu geborene oder lebende Künstler sind nun vertreten, was einen interessanten Überblick über die regionale Szene verschafft.

Was fällt besonders auf?

Die Bildhauerkunst ist heuer im Vergleich zu den Vorjahren schwächer vertreten.

Filigran und doch ausdrucksstark sind Agnes Keils Bronzefiguren, der gewitzte Guido Weggenmann wartet mit einer Kiste Gips-Kartoffeln auf, denen er Puppenaugen verpasste. Oliver Köhl und PP Rieger bespielen auf anregende Weise den Residenzhof.

Unterbelichtet die Fotografie: Kaum eines der ausgestellten Werke eröffnet neue Perspektiven.

Die Videokunst ist nur einmal verteten: Man kann sich zu Christian Hörl ins Auto setzen und mit ihm durch die Alpen nach Italien fahren, während der katholische Sender «Radio Maria» dudelt.

Bei den Gemälden fallen auf: die rätselhaft-vielschichtige «Nacht am Meer» des jungen Bertram Schilling, Bernhard Jott Kellers «Schnee von gestern» (mit eigensinniger Farbgebung und grafischen Elementen) oder der neue Motiv-Weg von Manfred Küchle («Dehnung»).

Das rätselhafteste Werk steuert Gerhart Kindermann bei: Auf einem Pressspan-Sockel ruht ein Porzellanteller, auf den zwei Maschinengewehre eingearbeitet sind.

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