Kriminalität
Polizisten im Allgäu täglich Opfer von Gewalt

Sie werden geschubst, getreten, bespuckt, geschlagen oder beleidigt: Immer häufiger sehen sich Polizisten bei Routineeinsätzen mit Gewaltausbrüchen konfrontiert. Die Beamten des Polizeipräsidiums Schwaben Süd/West sind besonders häufig Opfer derartiger Attacken.

530 solcher Fälle sind allein im Jahr 2010 registriert worden. Und im bayernweiten Vergleich haben es gleich drei Städte in die negativen Top-10 geschafft: Kempten, Memmingen und Neu-Ulm sind für Polizisten ein besonders gefährliches Pflaster. Im Präsidium in Kempten spricht man von einer „besorgniserregenden Situation“.

Nach Angaben von Polizeipräsident Hans-Jürgen Memel wurde im vergangenen Jahr deutlich mehr als jeder zweite Polizeibeamte mit Formen von Gewalt konfrontiert. Darunter fallen Körperverletzungen und Widerstand, aber auch Nötigung, Bedrohung oder Beleidigung. 116 Beamte wurden leicht verletzt, drei sogar schwer.

Als Aggressionsverstärker wirken offensichtlich Alkohol und Drogen: Über 75 Prozent der Gewalttäter hatten laut Statistik vorher entweder Alkohol getrunken oder Drogen konsumiert. Und je später der Abend, umso höher die Wahrscheinlichkeit für einen Übergriff. Die meisten Gewalttaten gegen Polizisten ereigneten sich im Zeitfenster von 23 Uhr bis 2 Uhr.

Warum es ausgerechnet in der Region bayernweit mit am häufigsten zu Gewalt gegen Polizeibeamte kommt, dafür sucht man im Kemptener Präsidium noch nach Erklärungen. Polizeipräsident Memel erkennt jedoch eine 'enorme Gewaltbereitschaft in bestimmten Gruppen unserer Gesellschaft'. Der Polizist in Uniform als Repräsentant des Staates müsse offenbar 'als Ventil herhalten, um angestaute Unzufriedenheit abzulassen', sagt Memel.

Der bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU) hatte schon Mitte des Jahres schärfere Gesetze gefordert: 'Wir müssen die schützen, die uns schützen.' Bei Widerstandshandlungen gegen Vollstreckungsbeamte sieht das Gesetz derzeit eine Höchststrafe von zwei Jahren Gefängnis vor. Herrmann will drei Jahre.

Polizeisprecher Alexander Resch kritisiert den 'mangelnden Respekt' vor Polizisten und appelliert, 'auch den Menschen hinter der Uniform zu sehen'. Einen Beitrag leisten für ein respektvolles Miteinander will zum Beispiel der neu gegründete Verein 'Keine Gewalt gegen Polizisten'.

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