Prozess
Polizist soll behinderte Frau missbraucht haben

Der Polizist soll versprochen haben, ihr Lesen und Schreiben beizubringen. Doch stattdessen, so sagt der Staatsanwalt, missbrauchte der 39-Jährige die geistig behinderte Frau. Auf Computer und Festplatten fand sie laut Anklage auch Kinderpornos.

Über einen Fahrdienst für Behinderte, bei dem er nebenbei half, war der Mann in Kontakt mit der 22-Jährigen gekommen. Eines Tages, kurz vor Weihnachten 2009, habe er sie mit in seine Wohnung genommen, so der Staatsanwalt. Dort sei es zu sexuellen Handlungen gekommen. Obwohl der Angeklagte gewusst habe, dass die junge Frau nicht in der Lage sei, Widerstand gegen die Annäherungen zu äußern.

Was der Angeklagte dazu zu sagen hat, erfuhren die Zuhörer - darunter auch Polizeibeamte - gestern nicht: Auf Antrag der Verteidigung entschied Amtsgerichtsdirektor Joachim Redetzki, den 39-Jährigen hinter verschlossenen Türen zu vernehmen. Zum Schutz der behinderten Frau, die tränenüberströmt vor Gericht erschien, wurde auch bei ihrer fast einstündigen Aussage die Öffentlichkeit ausgeschlossen.

Im Anschluss berichteten deren damalige Betreuerin, eine 36 Jahre alte Sozialpädagogin, und der 55-jährige Mitarbeiter einer Behinderteneinrichtung von dem Tag, als die Ermittlungen ins Rollen kamen. So sei die junge Frau damals sehr aufgelöst gewesen. Bruchstückhaft habe sie davon berichtet, dass etwas vorgefallen sei, was ihr nicht gefallen habe. Der Mitarbeiter verständigte die Betreuerin. Diese zweifelte nach eigenen Worten die Geschichte zunächst «eher an». Doch die junge Frau habe konkrete Details geschildert und sei auch mit ihr vor die Wohnung des 39-Jährigen gefahren. Daher habe sie sich entschieden, mit ihr gemeinsam Anzeige zu erstatten.

Am Tag vor Heiligabend stellte das Gericht den Durchsuchungsbefehl für die Wohnung des 39-Jährigen aus. Fast zeitgleich wurde der Polizist vernommen. Mit seinem PC und mehreren Festplatten beschäftigten sich die Experten der Kriminalpolizei und entdeckten die Kinderpornos.

Deren Verwertung vor Gericht will der Verteidiger verhindern. Der Angeklagte habe bei seiner Vernehmung genau erläutert, wo die Ermittler die Fotos von der behinderten Frau finden könnten. Die Durchsuchung sämtlicher Geräte sei bis heute durch keinen Gerichtsbeschluss gedeckt.

«Hanebüchen» schimpfte der Staatsanwalt. «Wenn der Beschuldigte sagt, was man durchsuchen darf, wären das ja gute Ermittlungen.» Der Antrag der Verteidigung sei «juristischer Käse». Der Prozess wird am Montag fortgesetzt.

Autor:

Allgäuer Zeitung aus Kempten

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