Polizei zerschlägt Mafia-Stützpunkt im Allgäu

Von Uli Bachmeier | München/Sonthofen Nach über drei Jahren intensiver, streng geheimer Ermittlungen (Deckname: Finale) haben Polizei und Staatsanwaltschaft einen Mafia-Stützpunkt im Allgäu ausgehoben. Eine Pizzeria in Sonthofen soll einem Clan der kalabresischen N drangheta als Stützpunkt unter anderem für den Kokainhandel zwischen Belgien und Italien sowie für Falschgeldgeschäfte gedient haben. Zwei Verdächtige konnten in San Luca (Kalabrien) festgenommen werden. Ein dritter ist noch auf der Flucht. Dies bestätigte die Staatsanwaltschaft Kempten auf Anfrage unserer Zeitung.

Die N'drangheta hat in Deutschland zuletzt im August vergangenen Jahres für Schlagzeilen gesorgt, als vor einer Pizzeria in Duisburg sechs Italiener mit Schnellfeuerwaffen erschossen wurden. Die kriminelle Organisation mit ihren teilweise rivalisierenden Clans, der allein zwischen 2000 und 2004 mehr als 140 Morde zugeordnet werden, gilt schon seit einiger Zeit als die Nummer eins im internationalen Rauschgiftgeschäft.

Zwischen den insgesamt sechs mutmaßlichen N drangheta-Mitgliedern, die sich über Jahre hinweg wechselweise in Sonthofen aufhielten, und den Clan-Angehörigen in Duisburg bestehen nach Erkenntnissen der Ermittler familiäre und verwandtschaftliche Verbindungen. Aber es gibt keinen Zusammenhang zwischen Sonthofen und den sechs Morden in Duisburg, sagte der Leitende Oberstaatsanwalt in Kempten, Herbert Pollert.

Die logistische Basis des Clans in Sonthofen konnte mit der Festnahme der Hauptverdächtigen Sebastiano R. (28) und Bruno S. (30) im Herbst vergangenen Jahres zerschlagen werden. Der Clan ist weg, sagte Pollert. Die Pizzeria habe einen neuen Besitzer und einen neuen Namen. Die beiden Hauptverdächtigen sitzen in Italien in Haft. Deutschland hat ihre Auslieferung beantragt. Ein dritter Tatverdächtiger wird noch mit europäischem Haftbefehl gesucht.

Über mögliche andere Mafia-Bezüge ins Allgäu darf allerdings spekuliert werden. Die Pizzeria in Sonthofen ist nicht der erste Fall. Schon früher zog die verkehrstechnisch günstige Lage des Allgäus auf dem Weg nach Italien Mitglieder der Organisierten Kriminalität an.

Autor:

Allgäuer Zeitung aus Kempten

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