Forderung nach Schadenersatz
Polizei stürmt bei Razzia gegen Rocker ein öffentliches WC: Bürgermeister von Lauben ist sauer

Ein ärgerliches Nachspiel hat eine Drogenrazzia der Polizei für die Oberallgäuer Gemeinde Lauben. Stein des Anstoßes ist ein öffentliches stilles Örtchen, das im Rahmen der Polizeiaktion am Montag, 11. April, Schaden genommen hatte.

Es war der Tag, an dem , der von Motorradrockern betrieben wird und in dem man Drogengeschäfte vermutete. Der Verdacht hat sich laut Polizei ja auch bestätigt. Was den Gasthof angeht, nicht aber, was das Klohäuschen der Gemeinde in unmittelbarer Nachbarschaft betrifft.

Allerdings: Es wurde mit gestürmt und nahm Schaden, und den will der Bürgermeister jetzt ersetzt haben. Was sagt die Polizei? Die schweigt. Aus einsatztaktischen Gründen.

Ein Blick zurück. Es ist Montag, noch sehr früh am Morgen, als die Einsatzkräfte in Lauben anrücken. Mit schwarzen Sturmhauben auf den Köpfen dringen die Polizisten in den Gasthof vor. Kurzzeitig festgenommen wird der ehemalige Wirt, der zwar nichts mit den Rockern zu tun hat, aber im Obergeschoss des Gasthofs lebt.

Und dann das: Mit der Ramme brechen die Beamten die öffentliche Toilette hinterhalb des Gebäudes auf. Die Tür, stellt Bürgermeister Berthold Ziegler später fest, wird dabei irreparabel beschädigt und auch eine Seitenwand wird arg lädiert. Bei 1300 Euro liegt der Schaden.

"Geht’s noch?"

"Geht’s noch?", fragt Ziegler. Schließlich, so seine These, hätte die Polizei doch im Vorfeld herausfinden können, dass das öffentliche Toilettenhäuschen rein gar nichts zu tun hat mit den illegalen Umtrieben benachbarter Motorradrocker.

Und genauso gut, meint der Rathauschef, hätte die Polizei auch das mit dem ehemaligen Wirt wissen können, der eine zeitlang in Handschellen vor dem Haus ausharren musste. "Das wäre doch auch zum Schutz der Beamten wichtig gewesen", argumentiert Ziegler.

Was ihn ärgert: Das Toilettenhäuschen, das normalerweise morgens um 8 Uhr automatisch öffnet und abends um 22 Uhr automatisch wieder schließt, ist vorerst hinüber. Was wiederum bedeutet, dass es sich momentan gar nicht mehr schließen lässt. Zieglers Befürchtung: "Dass da irgendwer irgendwelchen Unsinn macht."

Den Schaden, der aus seiner Sicht völlig unnötigerweise verursacht wurde, will er bezahlt haben. Und zwar ganz. Doch von staatlicher Seite sei ihm lediglich ein Ausgleich in Höhe des Zeitwerts in Aussicht gestellt worden.

Was sagt die Polizei dazu? Auf jeden Fall nicht, wer wie wann wo was stürmt. Nur so viel: "Es gab einen Durchsuchungsbeschluss für gewisse Objekte. Die sind durchsucht worden. Punkt", sagt Polizeisprecher Hans Willbold. Und, dass es unterschiedliche Wege zur Durchsuchung gibt. Das hänge von der Einsatztaktik ab, über die die Polizei grundsätzlich nicht spreche.

Neues gibt es übrigens, was den Gasthof "Löwen" in Lauben betrifft. Nach Absprache mit seinen Stellvertretern teilte Ziegler den Vertretern der "Black Rider" mit, dass die Gemeinde vorerst nicht wolle, dass die Rocker den Gasthof weiter öffnen.

Vor drei Jahren hatte die Gemeinde die Immobilie unter genau dieser Voraussetzung an den Club verpachtet: Dass sie eben nicht nur Clubhaus, sondern auch für die Bürger geöffnet ist. Bis dato fand deshalb jeden Freitag und Samstag Bewirtung für alle Bürger statt.

Am 24. Mai entscheidet der Gemeinderat dann, wie es weitergehen soll. Vermutlich gar nicht mehr: Denn Drogenhandel in einer eigenen Immobilie, so Ziegler, kann die Kommune freilich nicht dulden.

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