Pogromnacht
Pogromnacht: Mahnveranstaltung in Kaufbeuren

Mit einem deutlichen Bezug zu den aktuellen Entwicklungen am rechten Rand der Gesellschaft erinnerten die Teilnehmer der Mahnveranstaltung zur Reichspogromnacht 1938 am früheren Steinholzer KZ-Außenlager an die Opfer des Nationalsozialismus.

Als Anfang November 1938 die Synagogen brannten, wurde auch das Todesurteil über jene 472 polnischen und ungarischen Juden gefällt, die sechs Jahre später als Sklaven der Nazis in der 'Muna', der Pulverfabrik der Dynamit AG, arbeiten mussten und innerhalb weniger Monate umkamen – von Krankheiten geschwächt, verhungert, zu Tode geprügelt und erhängt.

Die seit Jahren gemeinsam vom DGB-Kreisverband, Amnesty International und KFIAS (Kaufbeurer Initiative für Frieden, internationalen Ausgleich und Sicherheit Kaufbeuren) organisierte Veranstaltung, das brachten so gut wie alle Redner zum Ausdruck, sollte nicht allein der Erinnerung an die Verfolgung von Juden, Sinti, Roma und Behinderten dienen, sondern auch zur erhöhten Wachsamkeit gegenüber allen Gruppierungen, die zur Ausgrenzung, Unterdrückung und Verachtung anderer Menschen aufrufen.

Hauptredner Wolfgang Veiglhuber (DGB-Bildungswerk Bayern) wies sowohl in seiner Gedenkansprache als auch im Rahmen der nachfolgenden DGB-Bildungsveranstaltung mehrfach auf das lange unterschätzte Gefahrenpotenzial der Rechten hin.

Nach den Serienmorden der NSU und dem Versagen des Verfassungsschutzes müsse man sich nicht nur auf der Seite der Behörden vorwerfen lassen, die rechte Gewalt verharmlost zu haben. Gefährlich seien heute nicht 'grölende Glatzköpfe, sondern rechte Intellektuelle'.

Ein 'fruchtbarer Boden für rechtes Gedankengut' entstünde auch durch die derzeitige Wirtschaftskrise, so ein Diskussionsteilnehmer.

Besorgt über den Erfolg rechter Gruppen äußerte sich DGB-Kreisvorsitzender Paul Meichelböck, der das braune Potenzial mit einem Eisberg verglich, von dem nur die Spitze zu sehen sei. Selbstkritisch äußerte sich Werner Gloning, der DGB-Vorsitzender der Region Allgäu-Donau-Iller, zur Rolle der Arbeitnehmervertretungen im Dritten Reich:

'Ihr Widerstand kam zu spät.' Dieser Fehler dürfe nicht zweimal gemacht werden. Das antirechte Engagement der Gewerkschaften müsse sich deutlich sowohl nach außen als auch nach innen richten.

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