Dichterwettstreit
Poetisch-witzige Wortakrobaten bei Poetry Slam im Künstlerhaus in Kempten

Tosender Applaus jagt durch das dichte Gedränge im Künstlerhaus Kempten noch bevor der Poetry-Slam beginnt: Mit viel Humor «eicht» Organisator und Moderator Bo Wimmer sein Publikum für den bevorstehenden Dichterwettstreit.

Es richtet als Jury über Sieg und Niederlage. Und das will geprobt sein: Begeisterungsstürme für Dichter, die << aussehen wie Co-Moderatorin Valerie Zöllner und schreiben wie Goethe >> oder laues Klatschen für lahme Beiträge.

Letztere Übung ist an diesem Abend entbehrlich, denn der Poetry Slam ist geprägt von hochkarätigen, ambitionierten Texten und mutigen Auftritten. Zwölf Wortakrobaten treten an, darunter drei << Locals >>, die sich unter die geladenen Dichter reihen.

So ergibt sich eine spannende Mixtur aus souveränen Slammern, die Tourneen und Bücher vorweisen, und Slam-Neulingen, deren etwas schüchternere Vorträge besonderen Charme entfalten.

Mit lyrischen Texten zu Glückseligkeit oder kabarettistischen Szenen über Fußball und Facebook kämpfen die Slammer um die Gunst des Publikums.

Fasziniert lauscht es dem eindrucksvollen Rhythmus von Björn Dunne (München; dritter Platz), brotloser Kunst und klebrigen Kneipen gewidmet, in denen Dichter berauscht auf den großen Durchbruch hoffen: << Wir hätten die Welt verändern können, wenn wir nur wüssten, wie das gestern war >>. Oder lacht über die absurd-launig formulierten, mit rollenden Augen und auf Österreichisch performten Texte des << Koschuh >> (Innsbruck), die ihm Platz zwei bescheren.

Bemerkenswert auch Wortspiel-Artist Dennis Schulz (Heidelberg), der sich mit lyrisch-kalauernden Zungenbrechern allerdings nicht gegen die << demokratische Poetin >> Theresa Hahl (Marburg) durchsetzen kann.

<< Wir sollten was tun, sonst erleben wirs nicht >> fordert die politisch-kritische Lyrik der 21-Jährigen, ein beeindruckend präzises und sinnliches Wortspektakel, das im Finale in ihre betörende << Herzmäre >> mündet. Ihr Herz hing sie damit nicht nur << an die Spitze des Fahnenmasts, nur um zu sehen, wieviel Himmel zwischen zwei Herzschläge passt >>, sondern legte es auch dem Publikum zu Füßen, das sie zu Recht mit enthusiastischen Applaus und damit dem hochprozentigen << Pokal >> (eine Flasche Jägermeister) belohnte.

Autor:

Allgäuer Zeitung aus Kempten

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