Feuerwehren
Planungsbüro Memmingen soll Kosten für flächendeckende Funkversorgung ermitteln

In einem Mehrfamilienhaus eines Unterallgäuer Dorfs bricht Feuer aus - und keiner kommt, um es zu löschen, weil die Alarmierung der Rettungskräfte nicht funktioniert hat. Dieses ausgedachte Szenario einer Brandkatastrophe ist so bisher nicht geschehen, ist aber auch nicht völlig aus der Luft gegriffen.

Das ist in der Sitzung des Kreisausschusses am Montagnachmittag deutlich geworden. Um die Funkversorgung des Landkreises sowie der Stadt Memmingen auf sichere Beine zu stellen, hat der Kreisausschuss daher jetzt einstimmig dafür votiert, ein Planungsbüro mit der genauen Kostenermittlung eines sogenannten analogen Gleichwellenfunknetzes zu beauftragen.

Seit etwas mehr als 30 Jahren werden die Feuerwehren und der Katas-trophenschutz in Kreis und Stadt über eine Funkstation in Oberweiler bei Ronsberg (Ostallgäu) alarmiert. << Seither mussten Abstriche bei der Funkversorgung hingenommen werden >>, heißt es in der Sitzungsvorlage des Ausschusses. Neue Gebäude, Aufforstungen und Bäume, die in den vergangenen Jahrzehnten um bis zu zehn Meter gewachsen seien, hätten den Empfang ständig weiter verschlechtert, erläuterte Hubert Stolp vom Landratsamt den Kreisräten.

Derzeit würden von den 132 Wehren im Kreis 117 nur über Sirene alarmiert und zwölf sowohl über Sirene als auch über Meldeempfänger. Drei Feuerwehren haben nur noch Meldeempfänger. Die Alarmierung über funkgesteuerte Sirenen ist laut Stolp derzeit fast zu 100 Prozent gesichert. Da Sirenen feste Standorte haben, könnten verschlechterte Empfangsmöglichkeiten mit technischen Maßnahmen wie Richtantennen nachgebessert werden.

Eine Alarmierung über Meldeempfänger sei im Landkreis nur zu rund 20 Prozent gegeben. Stolp begründete dies mit der topografischen Lage des Unterallgäus und damit, dass die Empfänger in der Regel am Körper getragen werden und die Standorte dadurch ständig wechseln.

Stolp verdeutlichte, dass eine Funkverbindung für die Floriansjünger auch dann noch äußerst wichtig sei, wenn sie bereits zur Schadensstelle ausgerückt sind. Nur so könnten etwa weitere Fahrzeuge oder Geräte angefordert werden. Eine von einem unabhängigen Ingenieurbüro im März erstellte Simulation im Sprechfunk habe ergeben, dass unter anderem << weite Bereiche der A96 sowie der A7 nur bedingt versorgt >> würden. Darüber hinaus seien etwa auch Teile des Memminger Stadtgebiets permanent unterversorgt.

Bereits in den Jahren 1996/97 habe man überlegt, ein Gleichwellenfunknetz einzuführen, dies dann aber aus Kostengründen nicht weiterverfolgt, heißt es in der Sitzungsvorlage. Zudem hatte man << immer wieder auf die Einführung des digitalen BOS-Funkes gehofft >>. BOS steht für Basisstation von Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben. Nach ersten Ankündigungen hätte der Digitalfunk bundesweit bereits im Jahr 2006 eingeführt sein sollen. Stolp rechnet damit, dass sich die Einführung voraussichtlich noch mindestens zehn Jahre hinziehen werde.

Erste grobe Kostenschätzungen

Ersten groben Schätzungen nach bewegen sich die Kosten für ein analoges Gleichwellenfunknetz für Memmingen und den Landkreis bei rund 250000 Euro. Möglich wäre es, die Kosten im Verhältnis zur Einwohnerzahl aufzuteilen, so Stolp. Das würde bedeuten, dass der Kreis etwas mehr als 75 Prozent übernehmen müsste. Details seien dann aber noch auszuhandeln.

<< Vor zehn Jahren gab es die Aussage, dass die Sache bis 2006 geregelt sein wird >>, sagte Landrat Hans-Joachim Weirather mit Blick auf die Digitalfunklösung. << Jetzt müssen wir uns überlegen, wie wir mit der Sache umgehen - wir haben eine Verantwortung. >> Mit dem Gleichwellenfunk habe man ein System, mit dem << wir sicherheitstechnisch unsere Hausaufgaben gemacht haben >>, so der Landrat. Im Alarmierungsfall sei dann jeder erreichbar, der erreichbar sein muss.

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