Energiewende
Pioniere, Stromversorger und Politiker sprechen über Zukunft der regenerativen Erzeugung im Allgäu

Für Richard Mair und seine Kollegen von 'Renergie Allgäu' ist der Weg klar vorgezeichnet: Innerhalb der nächsten 20 Jahre soll sich das Allgäu zu 100 Prozent selbst mit Energie aus Sonne, Wind, Wasser und nachwachsenden Rohstoffen versorgen.

Ob und wie sich dieses ehrgeizige Ziel erreichen lässt, versuchte „Renergie“ in einer öffentlichen Podiumsdiskussion bei der Jahresversammlung auszuloten.

Die Teilnehmer: Der stellvertretende Landrat Hubert Endhardt, der Dirlewanger Öko-Strom-Pionier Manfred 'Guggi' Guggenmos, der Füssener Hotelier Andreas Eggensberger sowie Frank Backowies, Geschäftsführer der Vereinigten Wertach-Elektrizitätswerke (VWEW).

Ihr Fazit: Mit einem Mix aus alternativen Energien, dem Willen zum Energiesparen und nicht zuletzt mit großem finanziellen Einsatz kann das Allgäu die Energiewende schaffen – vorausgesetzt, die Allgäuer selbst machen mit.

Die Bürger bei der Umgestaltung 'mit an Bord zu nehmen' sei unerlässlich, betonte nicht nur Hubert Endhardt. Das Motto des Grünen für die Zukunft: 'die drei E’s' – Energie-Einsparung, -Effizienz und Erneuerbare Energien. Dass der Landkreis seine Liegenschaften mit Öko-Strom versorgt, findet Endhardt deshalb nur konsequent: 'Wir müssen vorbildhaft wirken'.

Schon wegen des geringen Platzbedarfs im Vergleich zu Biogas und Fotovoltaik dürfe man die Windkraft nicht länger verteufeln. Sein Tipp für Gemeinden mit geeigneten Standorten an den Flurgrenzen: 'Macht es miteinander.' Die Bereitschaft zu mehr Windkraft bestehe durchaus.

Ob Windkraft oder Fotovoltaik: 'Dagegen sind meistens nur die, denen es nicht gehört', erklärte auch 'Guggi' Guggenmos mit Blick auf diejenigen Kommunen, die ihre Bürger mit an solchen Anlagen beteiligen und deshalb auch auf weniger Umsetzungsprobleme stießen.

120 Millionen Euro will das Kommunalunternehmen VWEW (42 000 Kunden) in den nächsten Jahren in den Ausbau regenerativer Energie stecken. Allein fünf Millionen Euro pro Jahr stehen laut Backowies für Fotovoltaikanlagen zur Verfügung. Weiterer Schwerpunkt ist die Windkraft. 50 Anlagen will das Unternehmen in den nächsten Jahren errichten – und größtenteils wieder verkaufen.

Nur zehn Windräder sollen in Unternehmensbesitz bleiben, die anderen werden an Kommunen und Firmen veräußert. Noch ungeklärt ist die Frage, ob und wie sich der notwendige Netzausbau finanzieren lässt. Die Kosten sind enorm. Wenn viele kleine Kraftwerke zusammen wie ein großes funktionieren sollen, sind eine ausgeklügelte Regeltechnik und ein leistungsfähiges Stromnetz Pflicht. Das größte Problem sei aber die ständige Verfügbarkeit der so gewonnenen Energie und die Frage, wie sich diese speichern lässt.

Eigenen Strom selbst nutzen

Dass man als mittelständisches Unternehmen auf Atomstrom, Erdgas und -öl verzichten kann, ohne Abstriche beim Komfort machen zu müssen, beweist Andreas Eggensberger mit seinem mehrfach ausgezeichneten 'Biohotel Eggensberger'. Das 120 Betten-Kurheim am Hopfensee setzt auf Energieeinsparung und eine gute Co2-Bilanz – mit Dachkollektoren für Warmwasser und Strom sowie mit Biogas. 'Vor zwei Jahren', so Eggensberger, 'habe ich zum letzten Mal Heizöl gekauft.' Sein Tipp: Den selbst erzeugten Strom nicht nur einspeisen, sondern auch selbst nutzen.

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