Beweggründe
Pferdequäler nicht unbedingt Pferdehasser

Bereits vier Mal sind innerhalb der vergangenen vier Wochen im Allgäu Pferde absichtlich von bisher unbekannten Tätern verletzt worden. Im ersten Fall wurde einem Pferd bei Steinheim (Unterallgäu) eine Schnittverletzung am Kopf und eine Stichverletzung am Hals zugefügt.

Nur wenige Tage später wurde bei Lachen (Unterallgäu) ein Pferd mit einer Stichwunde an der Schulter aufgefunden. Ein Tier bei Stöttwang (Ostallgäu) überlebte eine Verletzung am Hals nur knapp. Der jüngste Fall ereignete sich an Pfingsten in Oberostendorf (Ostallgäu). Dort wurde ein zwei Monate altes Fohlen in einem Stall mit einer Stichwaffe angegriffen.

Was bewegt Menschen zu solchen Taten? << Die Intention ist hier wie bei allen Straftaten ganz unterschiedlich >>, sagt Michael Hämmer vom Polizeipräsidium Schwaben Süd/West. Es muss sich dabei nicht unbedingt um Leute handeln, die Pferde hassen. << Es kann alles mögliche dahinter stecken. >>

Der Kriminalpsychologe Dr. Uwe Füllgrabe zum Beispiel hält das Quälen von Pferden für eine Sonderform des Vandalismus. Gekennzeichnet sei das dadurch, dass außer der Freude am Zerstören kein materieller Gewinn aus der Tat gezogen werden könne und das Lebewesen dem Täter keinen nennenswerten Widerstand entgegensetzt. Er warnt davor, die Taten - wie es häufig der Fall ist - als sexuell motiviert zu sehen. Forschungen in der Psychologie und der Kriminologie zeigen jedoch, dass Tierquälerei eine Vorstufe von Übergriffen auf Menschen sein kann.

Sie wird in solchen Fällen oft von Personen verübt, die selbst in irgendeiner Form Gewalt erfahren haben. Tierquälerei kann ihren Ursprung aber auch in traumatischen Erlebnissen mit Tieren haben.

Sonderstellung unter Nutztieren

Warum gerade Pferde Opfer werden, begründet die Autorin Marlene Baum damit, dass Rösser auf den Menschen unter anderem eine Faszination ausüben und zwischen beiden Geschöpfen zum Beispiel charakterliche Ähnlichkeiten bestehen - vor allem, was die Fähigkeit zur gehorsamen Unterwerfung und zur Anpassung angehe. Aus diesen Gründen seien sie eine geeignete Projektionsfläche für menschliche Fantasien und Wünsche.

Auch hat das Pferd unter anderen Nutztieren eine Sonderstellung: Es ist eines der am frühesten domestizierten Haustiere und befriedigte gleich mehrere Bedürfnisse des Menschen, in dem es ihm sowohl als Nahrung, als auch als Reit- und Zugtier diente. Es gilt als edel, kraftvoll, schön und intelligent. Was manche möglicherweise dazu verleitet, es zerstören und besiegt zurücklassen zu wollen.

Im Fall der Pferdequälereien im Allgäu gibt es derzeit laut Hämmer keinen Anhaltspunkt, dass es sich um den selben Täter handelt. Es kann aber auch nicht ausgeschlossen werden. Die ermittelnden Polizeistationen stehen deshalb in engem Austausch miteinander.

Autor:

Allgäuer Zeitung aus Kempten

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