Christi Himmelfahrt
Pfarrei Christi Himmelfahrt ist nun mit St. Lorenz fusioniert

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Als Ruhestandspfarrer Ludwig Obereisenbuchner zu sprechen beginnt, fallen eben die letzten Sonnenstrahlen in den Kirchenraum von Christi Himmelfahrt. «Wenn es bei den Plänen der Diözesanverwaltung bleibt, sind wir heute zum letzten Mal bei einem festlichen Gottesdienst als Pfarrfamilie beisammen», sagt er, macht eine Pause, blickt auf.

Etwa 300 mögen es sein, die meisten ergraut, die auf den Holzstühlen um den Altar sitzen. Nicht alle Reihen sind gefüllt. 30 Stunden sind es zu diesem Zeitpunkt noch bis zum Vollzug der Pfarreienfusion von Christi Himmelfahrt und St. Lorenz, gegen die sich die Gläubigen seit Monaten wehren.

Zuletzt mithilfe eines Anwalts, der im Auftrag der Kirchengemeinde an Rom geschrieben hat. Auch im Kultusministerium ist das Thema noch in der Bearbeitung - und zwar wegen der Auflösung der kirchlichen Stiftungen von Christi Himmelfahrt. Allerdings, so betont die Pressestelle: Das Ministerium gebe lediglich << formale Zustimmung praktisch ohne Handlungsspielraum >>.

Während Obereisenbuchner erst den schwarzen Freiheitskämpfer Martin Luther King zitiert und dann seinen eigenen Traum von einer << familienhaften Kirche >> skizziert, da halten mehrere Hände zerknitterte Papiertaschentücher. Abschiedsstimmung liegt über der Kirche - auch bei jenen, die den Gottesdienst am Altar gestalten. Im Bistum müsse man den Eindruck gewinnen, eine Pfarrgemeinde sei nur eine Verwaltungseinheit, schimpft Obereisenbuchner.

Später, als der Ruhestandsgeistliche zurückblickt auf die Jahrzehnte, bricht beinahe seine Stimme.

Auch die streitbare Pfarrgemeinderatsvorsitzende Ursula Zingraf wählt leise Töne, bittet Hildegard Binzer nach vorne. Am 1. September 1931 wurde Christi Himmelfahrt Stadtpfarrei, fünf Tage später empfing Hildegard Binzer die Taufe. Die Gottesdienstbesucher applaudieren der 80-Jährigen, die zu ihrem Geburtstag ihre Familie mitgebracht hat. Sogar das erst wenige Wochen alte Urenkelkind ist dabei.

Die Sonne ist untergegangen. Mit ihren Kerzen treten die Gläubigen hinaus auf den Steg. In der kühlen Abendluft heizt sich die Stimmung wieder auf. << Ungerecht >> sei die Auflösung, schimpft ein Paar, das aus Lenzfried gekommen ist. Historikerin Birgit Kata kann über das Vorgehen der Kirchenoberen in Augsburg nur den Kopf schütteln.

So wie Architekt Dieter Heiler, dessen Familie das heutige Kirchengrundstück einst gehörte. << Das Volk ist die Kirche >>, sagt er und benutzt damit ähnliche Worte wie das Augsburger Diözesanteam der Bewegung << Wir sind Kirche >>. Man sei << bestürzt, ja entsetzt >> über die << Vorgehensweise der Diözesanleitung und ihres Bischofs >>. Auch Diözesanrats-Vorsitzender Helmut Mangold mahnt gegenüber der AZ mehr << Mitwirkung der gewählten Laiengremien >> an.

Ist Christi Himmelfahrt noch zu retten? Über << ein Wunder aus Rom >>, für das manch einer betet?

Heute Abend um 17 Uhr ist Rosenkranz in Christi Himmelfahrt. So steht es, kursiv eingefügt, auf der Internetseite von St. Lorenz.

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