Pastor Oliver will nur das Geld

Schwangau/Ostallgäu | mar | Es schien eine ganz normale Anfrage nach einem Quartier zu sein. Ein 'Pastor Oliver Williams aus London' fragte vergangene Woche per Mail bei Familie Böck in Schwangau nach dem Preis für Unterkünfte. Fünf ältere christliche Damen würden gerne bei ihr 14 Tage Urlaub verbringen. Beim zweiten Mail schrillten bei Robert Böck, der die Korrespondenz wegen seiner besseren Englisch-Kentnisse für seine Eltern übernommen hatten, die Alarmglocken: 'Pastor Oliver' kündigte an, einen Scheck über eine weit höhere Summe zu senden. Den Restbetrag möge man ihm bitte zurückschicken, damit er davon die Flugtickets, Autovermietung und weitere Unkosten bestreiten könne.

'Nigeria-Connection' am Werk

Für die Polizei, die Böck daraufhin am Samstag einschaltete, war der Fall klar: die mit Vorauszahlungsbetrug agierende 'Nigeria-Connection' (siehe Wortweiser) hat wieder einmal zugeschlagen, mit dem Ziel, ungedeckte Schecks in Geld zu verwandeln. Robert Böck, der als PC-Administrator arbeitet und Internet-Auftritte erstellt, sah sich daraufhin die erste Mail von 'Pastor Oliver' noch einmal genauer an. Und tatsächlich: Sie trug zwar eine englische Adresse, war aber über einen Server in Nigeria gelaufen. 'Ich vergleiche das immer mit einem Briefumschlag', sagt dazu ein Beamter der Füssener Polizei gegenüber unserer Zeitung. 'Da kann man ja als Absender auch draufschreiben, was man will. Egal, ob man das wirklich ist oder nicht.'

Adresse aus Internetverzeichnis

Als Computerspezialist bekam Böck sogar heraus, woher 'Pastor Oliver' die Mailadresse seiner Eltern hatte: aus dem Internetverzeichnis 'bellnet.de'. Böck rief drei Bekannte an, die dort ebenfalls als Vermieter verzeichnet sind. Und tatsächlich: Auch bei ihnen hatte sich 'Pastor Oliver' nach Quartieren erkundigt und zweien bereits die Zusendung von Schecks angekündigt. 'Allein auf der Seite für das Allgäu sind 200 Websites verzeichnet', sagt Böck. Er gehe davon auf, dass der Betrüger die Liste systematisch abarbeitet und damit jede Menge Allgäuer Vermieter derzeit Post von 'Pastor Oliver' erhielten.

Kripo rät: niemals antworten

Die Kriminalpolizei rät dringend, auf solche zweifelhaften Mails nie zu antworten. Die Gutschrift eines Schecks erfolgt nämlich immer vorläufig. Wird der Scheck später storniert, ist der weitergeleitete Betrag längst im Ausland verschwunden. 'Die meisten Ermittlungen verlaufen dann im Sand', so die Polizei.

Fragen zu so genannten Vorauszahlungsbetrug sowie der 'Nigeria-Connection' beantwortet die Beratungsstelle der Kripo Kempten, Telefon (08 31) 99 09-0.

Infos des BKA im Internet:

bka.de/profil/faq/hinweise/angebot.html

Autor:

Allgäuer Zeitung aus Kempten

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