Kriminalität
Parterre-Mord von Kempten jährt zum dritten Mal

Vor drei Jahren wurde eine 63-Jährige in Kempten erstochen. Doch ein Täter musste sich bisher nicht vor Gericht verantworten. Bleibt der Parterre-Mord ungesühnt?

Rückblende: Wenige Tage vor Weihnachten 2013 wird eine 63 Jahre alte Witwe in ihrer . Sie wurde durch eine Vielzahl von Stichen getötet – wahrscheinlich mit einem Messer.

Die Polizei bildet umgehend die 'Ermittlungsgruppe Parterre' mit 25 Beamten. Es ist das vierte Adventswochenende. In den folgenden Wochen gehen die Beamten über 150 Spuren nach, vernehmen 30 Zeugen und arbeiten selbst über die Weihnachtsfeiertage.

Dabei handelt es sich um einen engen Verwandten der Ermordeten.

Der bestreitet zwar die Tat, aber die Festnahme stützt sich vor allem auf DNA-Spuren, also sogenannte genetische Fingerabdrücke. Ein Nachweis kann beispielsweise anhand von am Tatort gefundenen Haaren oder Hautschuppen geführt werden. Und durch Spuren an Tatwerkzeugen oder an einer Leiche.

Nicht lange in Haft

Der Tatverdächtige bleibt nicht lange in Untersuchungshaft. Ende Januar 2014 hebt das Kemptener Amtsgericht den Haftbefehl gegen den Mann auf. Dem Vernehmen nach sind gefundene DNA-Spuren nicht geeignet, den Verwandten der Frau als Täter zu überführen. Denn er hatte sich vor dem Mord immer wieder in der Wohnung aufgehalten und deswegen befanden sich dort Spuren seiner DNA.

Kein hinreichender Tatverdacht

'Ein Tatnachweis kann nicht zweifelsfrei geführt werden', hieß es nach der Freilassung des Mannes von der Kemptener Staatsanwaltschaft. Deswegen wurde im Frühjahr 2016 das Ermittlungsverfahren gegen den Mann offiziell eingestellt – nach Paragraf 170 II der Strafprozessordnung. Im Gesetzestext heißt dies: 'Mangels hinreichendem Tatverdacht'.

Die Staatsanwaltschaft könne das Ermittlungsverfahren jederzeit wieder aufzunehmen. Im konkreten Fall erscheint dies aber eher unwahrscheinlich. Aus Kripo-Kreisen heißt es, mit äußerster Akribie seien die Beamten jeder Spur nachgegangen.

Gegen die Einstellung des Verfahrens durch die Staatsanwaltschaft hatten Verwandte der Getöteten nach Informationen unserer Zeitung Beschwerde eingelegt. Sie sind offensichtlich von der Schuld des seinerzeit Verhafteten überzeugt.

Mord verjährt nie

Alle Ermittlungsspuren und Hinweise seien 'abgearbeitet' worden, betont der Kemptener Kripo-Chef Michael Haber. Gegen den Beschuldigten bestehe aus Sicht der Polizei nach wie vor ein Anfangsverdacht. Dieser reicht aber offensichtlich für eine Anklage nicht aus. 'Im Moment', sagt Haber, 'gibt es keine neuen Ermittlungsansätze.' Aber: 'Sobald sich etwas Neues ergibt, werden wir wieder ermitteln.' Gänzlich geschlossen wird die Akte ohnehin nicht. 'Mord verjährt nie', lautet ein ehernes Prinzip bei Polizei und Justiz.

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